Schleifen

Werkzeug und Messer schärfen: So geht's!

Stumpfe Werkzeuge und Messer verlängern die Arbeit. Wir erklären, wie Sie Werkzeug und Messer selber schärfen und was Sie beim Umgang mit Schleifsteinen und Schleifmaschinen beachten müssen.

Messer schärfen
Wir erklären, worauf Sie achten müssen, wenn Sie Werkzeug und Messer selbst schärfen.© ABSURDOV - stock.adobe.com

Wer schon mal versucht hat, mit stumpfem Werkzeug zu arbeiten weiß, dass da nichts Gutes bei heraus kommen kann. Also muss von Zeit zu Zeit geschliffen werden. Das kann man am schnellsten an einem Schleifbock machen – aber nicht am besten!

Um es gleich vorweg zu nehmen: Werkzeuge sauber nachschärfen zu können, braucht viel Übung und Geduld. Zumal dann, wenn Sie sich für eine einfache Doppel- oder Trockenschleifmaschine entscheiden. Denn die haben zwar zur Werkzeugführung eine kleine Auflage, aber auf der arbeiten Sie quasi freihändig. Am Anfang wird es Ihnen deshalb immer wieder passieren, dass Sie Ihrer Schneide mehrere Ansätze anschleifen.

Messer schärfen: Nass oder trocken?

Was das Tempo angeht, sind die Trockenschleifmaschinen unschlagbar. Mit ihrer hohen Drehgeschwindigkeit schleifen sie in kurzer Zeit viel Material weg. Dabei entsteht jedoch auch viel Reibungshitze, was schnell zum zerstörerischen Ausglühen der Schneiden führen kann.

Bei Nassschleifmaschinen sorgt Wasser für die nötige Kühlung und transportiert stumpfe Schleifkörner und Metallpartikel in den Wasserbehälter, wo sie zurückbleiben. Der Materialabtrag geht zwar langsamer vonstatten als bei den Trockenschleifmaschinen, ist aber dafür besser zu kontrollieren. So schleifen Sie nur so viel Material weg, wie nötig.

Messer schärfen
Trockenschleifmaschinen entwickeln eine hohe Reibungshitze, die zum Ausglühen der Schneiden führen kann.© venerala - stock.adobe.com

Nassschleifmaschinen werden mit vielen Zubehörteilen und Halterungen angeboten, die es ermöglichen, auf ein und derselben Maschine Messer unterschiedlicher Größe, Scheren, Stechbeitel, Hobeleisen und sogar Äxte zu schleifen. Die Werkzeuge werden in die Halter fest eingespannt. Damit kommen auch Ungeübte schnell zu einer scharfen Klinge.

Jedes Schneidwerkzeug hat einen bestimmten Schneidenwinkel, der auf den Verwendungszweck des Werkzeugs abgestimmt ist. Wenn Sie Ihre Schneidwerkzeuge schärfen, sollten Sie den ursprünglichen Schneidenwinkel so weit wie möglich erhalten.

Tipp: Färben Sie die Fasenfläche der Klinge mit einem wasserfesten Filzstift ein. Spannen Sie sie in den Halter und legen Sie ihn an der Universalstütze an. Während die Fasenfläche am Schleifstein anliegt, drehen Sie diesen langsam mit der Hand, um möglichst wenig abzuschleifen. An der Art wie die Farbe durchgeschliffen wird, erkennen Sie, ob die Fase richtig aufliegt.

Messer schärfen mit dem Schleifstein

Messer schärfen an der Maschine
Messer schärfen
© Ali Saheli

Schritt 1/5: Winkel messen

Mit einer Winkellehre messen Sie den Schneidenwinkel. Den stellen Sie ein, indem Sie die Höhe der Universalstütze verändern.

Messer schärfen
© Ali Saheli

Schritt 2/5: Schneide schleifen

Schleifen Sie so lange mit der Körnung 220, bis auf der ganzen Schneidenlänge ein spürbarer Grat entstanden ist.

Messer schärfen
© Ali Saheli

Schritt 3/5: Feinschliff durchführen

Stellen Sie mit Hilfe des Steinpräparierers den Schleifstein auf Körnung 1000 ein, und führen Sie den Feinschliff durch.

Messer schärfen
© Ali Saheli

Schritt 4/5: Abziehpaste auftragen

Imprägnieren Sie die Lederabziehscheibe mit dünnem Maschinenöl und tragen Sie die Abziehpaste auf.

Messer schärfen
© Ali Saheli

Schritt 5/5: Messer schleifen

Vergrößern Sie die Auflagefläche, indem Sie das Messer auf der Lederabziehscheibe diagonal zur Schleifrichtung führen. Achtung: Halten Sie die Messerschneide auf der Lederabziehscheibe nie gegen die Laufrichtung, um nicht in das Leder einzuschneiden.

Messer schärfen ohne Maschine

Wenn Sie nur gelegentlich Ihre Messer schärfen, muss es keine Maschine sein, auch ein Satz Schleifsteine schafft scharfe Klingen. Wollen Sie etwas schärfen, geht das ganz einfach auf einem stabilen Tisch.

Ihr Schärfwerkzeug besteht aus mehreren Schleifsteinen. Diese haben – ähnlich wie Schleifpapier – verschiedene Körnungen. Eine kleine Zahl steht für eine grobe Körnung mit hohem Abtrag, eine höhere Zahl für eine feine Körnung mit geringem Abtrag.

Messer schärfen
Mit dem Schruppstein können Sie grobe Scharten ausschleifen.© Ali Saheli
Tipp: Schützen Sie die Oberfläche mit einer stabilen Kunststoffolie vor Kratzern und Nässe.
  1. Der 220er Schruppstein dient dazu, grobe Beschädigungen, z.B. Scharten, herauszuschleifen. Danach erfolgt der Feinschliff auf dem Schärfstein der Körnung 1000. Mit jeder feineren Körnung schleifen Sie die Schleifspuren des vorherigen Steins heraus. Überprüfen Sie bei gutem Licht, ob bereits alle gröberen Schleifspuren herausgeschliffen sind.
  2. Nach dem Schärfen auf dem Schärfstein der Körnung 220 bildet sich auf der gesamten Schneidenlänge ein Grat. Dies ist das Zeichen, dass Sie mit dem Grobschliff fertig sind.
  3. Wechseln Sie schließlich zu den Schleifsteinen mit Körnung 3000 und 6000. Es entsteht eine spiegelpolierte Schneide von großer Schärfe. Für den Hausgebrauch sind "Kombisteine" sinnvoll. Zwei Körnungen sind zu einem Stein verklebt. Das spart bei den Anschaffungskosten.
  4. Wenn Sie die Fasenseite Ihres Stemmeisens schleifen, richten Sie die Schneidenlinie im 45-Grad-Winkel zur Vorschubrichtung aus. So verringern Sie die Gefahr des Verkippens.
  5. Zum Abschluss kommt der Test: Schneiden Sie vom Hirnholz einer Leiste einen dünnen Span ab. Wird die Schnittfläche sauber, ist die Klinge wirklich scharf.

Messer schärfen mit dem Wasserstein

Die wichtigste Grundregel lautet: Die Oberfläche des Wassersteins muss immer exakt plan sein. Überprüfen Sie die Ebenheit regelmäßig bei Gegenlicht mit einer geraden Aluminiumleiste. Sollten Sie eine Unebenheit feststellen, gehen Sie folgender maßen vor: Legen Sie wasserfestes Schleifpapier auf eine Glasplatte, feuchten Sie es an, und halten Sie es mit einer Hand fest.

  • Wassersteine schleifen so gut, weil sie gleichzeitig hart und weich sind.
  • Harte Schleifkörner sind in einer weichen Bindung eingebettet. Während des Schärfens werden die Schleifkörner stumpf und brechen aus. Es entsteht ein Schleifschlamm aus Metallpartikeln und stumpfen Schleifkörnern, den Sie immer wieder mit Wasser wegspülen sollten. So werden kontinuierlich scharfe Schleifkörner freigelegt, die für einen zügigen Arbeitsfortschritt sorgen.
  • Auf Wassersteinen arbeitet man am besten mit viel Druck. Verringern Sie den Druck erst, wenn Sie auf dem Stein mit der feinen Körnung 6000 fast fertig sind. So erhalten Sie eine noch schärfere Schneide. Viele Wassersteine können und sollten dauerhaft im Wasser gelagert werden. Ob das geht, sollte man gleich beim Kauf fragen.
  • Trocknet ein Wasserstein aus, bleibt der im Wasser enthaltene Kalk im Stein zurück und kann den Schärfvorgang beeinträchtigen. Am besten werden die Steine deswegen in Regenwasser gelagert und möglichst auch damit gearbeitet, denn es enthält keinen Kalk. Bewahren Sie durchfeuchtete Wassersteine unbedingt frostsicher auf.
Messer schärfen
Die Oberfläche des Wassersteins muss immer plan sein.© Ali Saheli
  • Mit der anderen Hand schieben Sie den Schärfstein so lange über das Schleifpapier, bis die Steinoberfläche wieder gerade ist. Ihre Wassersteine sollten sie vor Gebrauch mindestens 15 Minuten ins Wasser legen.

Extra: Die richtigen Winkel für jedes Werkzeug

Neben Messern haben viele Werkzeuge Schneiden, die regelmäßig geschärft werden wollen. Weil aber die Anforderungen an eine Axt eine andere ist als die an einen Stechbeitel, differieren die anzuschleifenden Schneidenwinkel erheblich. Im Folgenden haben wir die wichtigsten Schneid- und Spaltwerkzeuge sowie deren korrekten Schneidenwinkel aufgeführt.

Zu jeder guten Nass- oder Trockenschleifmaschine gehört eine Winkelschablone, anhand derer Sie den Winkelanschlag für Ihre Schleifarbeiten einstellen können. Grundsätzlich sind flache Winkel standfest wie größere Winkel.

  • Beil: 40 Grad
  • Forstaxt: 50 Grad
  • Drechslerwerkzeuge: 15 bis 25 Grad
  • Geißfüße: 20 Grad
  • Hobeleisen: 20 Grad
  • Meißel: 35 bis 40 Grad
  • Gemüse- und Filetiermesser: 25 Grad
  • Metzger- und Küchenmesser: 20 bis 40 Grad
  • Jagd- und Sportmesser: 40 Grad
  • Scheren: 60 Grad
  • Schnitzwerkzeuge: 15 bis 20 Grad
  • Stechbeitel: 25 Grad

Achten Sie beim Schärfen Ihrer Werkzeuge auf die richtige Technik und den richtigen Winkel, dann können Sie schnell wieder mit scharfem Werkzeug arbeiten!

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