Insektenfänger

Fleischfressende Pflanzen kaufen und pflegen

Fleischfressende Pflanzen sehen und toll aus und sind sogar nützlich. Die Exoten vertilgen lästige Insekten wie Fliegen und Mücken. Sie sind aber nicht ganz leicht in der Handhabung. Wir zeigen, worauf Sie achten müssen.

Venusfliegenfalle
Die Venusfliegenfalle ist die hierzulande wohl am weitesten verbreitete fleischfressende Pflanze.© Leah-Anne-Thompson - stock.adobe.com

Die wohl bekannteste und in Deutschland mitunter am weitesten verbreitete fleischfressende Pflanze – auch Karnivore genannt – ist die Venusfliegenfalle. Es gibt aber noch rund 18 weitere Sorten. Heimisch sind fleischfressende Pflanzen eher in den Tropen, in Australien, den USA, aber auch teilweise in Europa.

Fleischfressende Pflanzen vertilgen sehr kleine Tiere vom Einzeller bis zum Floh oder der Mücke. Je nach Größe der Pflanze und Verfügbarkeit der Beutetiere können die Exoten aber auch Frösche und dergleichen fangen und verdauen.

Fleischfressende Pflanzen versorgen sich dadurch mit Mineralstoffen und Stickstoff. Anders als ein weitverbreiteter Irrglaube ist es allerdings nicht notwendig, die Pflanzen zusätzlich zu füttern, wenn es längere Zeit keine Beute gibt. Sie überleben problemlos auch ohne tierische Zusatznahrung. Allerdings sorgt die Beute dafür, dass fleischfressende Pflanzen besser wachsen und blühen.

Bauen Sie Ihrer fleischfressenden Pflanze doch ein kleines Gewächshaus. Hier erklären wir, wie das geht.

Venusfliegenfalle mit Beute
Die Venusfliegenfalle ernährt sich unter anderem von Insekten.© esben468635 - stock.adobe.com

Je nach Pflanzenart fängt eine fleischfressende Pflanze ihre Opfer auf unterschiedliche Art und Weise. Das Portfolio reicht von klebrigen oder schnell zuklappenden Mäulern über Reusen bis hin zu Fallgruben. Handelt es sich um eine Unterwasserpflanze, kann diese ihre Beute sogar mittels Saugfalle einfangen. Dabei erzeugt die Pflanze eine Art Unterdruck, durch den Wasser und das Beutetier eingesaugt werden.

Leider überleben viele der Exoten nicht allzu lange. Woran liegt das? Achten Sie auf diese Punkte, bevor Sie eine fleischfressende Pflanze kaufen:

  • Fleischfressende Pflanzen bevorzugen einen hellen Standort.
  • Fleischfressende Pflanzen sind vor allem in den Tropen heimisch. Sie benötigen also eine warme und eher feuchte Umgebung.
  • Zu heiß ist allerdings auch nicht gut. Am besten gedeihen fleischfressende Pflanzen bei einer Temperatur zwischen 18 und 20 Grad im Sommer. Im Winter hingegen sollten Sie für eine Umgebungstemperatur zwischen acht und zehn Grad sorgen

Können Sie eine solche Umgebung gewährleisten? Dann steht dem Vergnügen, einer fleischfressenden Pflanze beim Beutefang zuzusehen, nichts mehr im Wege. Für welche der rund 19 Sorten Sie sich schlussendlich entscheiden, ist Geschmackssache. Interessanter zu beobachten sind allerdings jene Sorten, die ihre Beutetiere mit Mäulchen fangen.

Setzt sich ein Insekt direkt auf beziehungsweise in das weit geöffnete Mäulchen, klappt zum Beispiel die Venusfliegenfalle dieses blitzschnell zu. Im Mäulchen befinden sich kleine Härchen. Werden diese berührt, ist das für die Pflanze das Signal zuzuschnappen. Das klappt auch, wenn Sie Ihren Finger darauflegen.

Sie sollten die Mäulchen der Venusfliegenfalle besser nicht mit dem Finger zum Zuschnappen bringen. Ihnen kann dabei zwar nichts passieren, das schadet der Pflanze allerdings langfristig.

Fleischfressende Pflanzen pflegen – so geht’s

Neben einem hellen, gut temperierten und feuchten Standort gibt es bei der Haltung und Pflege von fleischfressenden Pflanzen noch Weiteres zu beachten:

  • Am besten gedeihen fleischfressende Pflanzen in einem Pflanz-Terrarium. Hier kann nicht nur die Luftfeuchtigkeit optimal eingehalten werden, sondern auch die Temperatur.
  • Steht das Terrarium nicht gerade an einem Südfenster, können Sie auch mithilfe von bestimmten Pflanzenlampen für ausreichend Licht sorgen.
  • Als Alternative zum Terrarium können Sie Ihre fleischfressende Pflanze auch in ein kleines Gewächshaus stellen. Besonders im Sommer sollten Sie Gewächshaus-Abdeckung hin und wieder entfernen und lüften. Sonst wird es der fleischfressenden Pflanze schlicht zu heiß.
  • Karnivoren benötigen ein extrem nährstoffarmes Substrat. Dieses sollte außerdem unbedingt kalkfrei sein. Spezielle Erde gibt es im Handel. Wer sich das Substrat hingegen selbst mischen möchte, kann dafür Moortorf verwenden und etwas Quarzsand beimischen.

Nicht nur Karnivoren benötigen spezielle Erde. Eine im Handel erhältliche Universalerde wird dem eigentlich nie gerecht. Für welche Pflanze sich welches Substrat eignet und wie Sie den richtigen Boden ganz einfach selber mischen, lesen Sie in unserem Ratgeber Verschiedene Blumenerden im Überblick: Welche Pflanze braucht welche Blumenerde?

  • Achten Sie steht auf eine feuchte bis sehr feuchte Erde.
  • Verwenden Sie zum Gießen unbedingt kalkfreies Wasser. Besonders gut eignet sich Regenwasser.
  • Im Winter benötigt die Karnivore eine Ruhephase. Die Umgebungstemperatur wird auf acht bis zehn Grad Celsius abgesenkt. Vermeiden Sie hierbei unbedingt Zugluft. Ferner benötigt die fleischfressende Pflanze in dieser Phase deutlich weniger Feuchtigkeit. Die Erde sollte weiterhin feucht bleiben, Staunässe hingegen ist unbedingt zu vermeiden.
  • Füttern Sie ihre fleischfressende Pflanze nicht. Die Mäulchen einer Venusfliegenfalle etwa können nur bis zu fünfmal zuschnappen. Danach stirbt das Fangblatt ab. Geht der Karnivore ein größeres Beutetier in die Falle, stirbt das Mäulchen sogar bereits nach diesem einen Fang.

Fleischfressende Pflanzen bringen einen Hauch von Tropen in Ihr Zuhause. Sollten Sie sich die Exoten allerdings deshalb anschaffen, weil sie vermehrt Fliegen, Mücken und Co. im Haus haben, ist die Karnivore dafür jedoch nur bedingt geeignet. Es stimmt, dass die Pflanzen ebendiese Insekten vertilgen. Bis aber ein einziges dieser Tiere verdaut und die Karnivore wieder bereit für die Jagd ist, vergehen teilweise Wochen.

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