Nutzpflanzen

Kartoffeln pflanzen und ernten im Freiland und auf dem Balkon

Bratkartoffeln, Salzkartoffeln, mit Käse überbacken als Gratin oder als selbstgemachte Pommes Frites: Die Kartoffel ist unglaublich vielfältig. Wir zeigen, wie Sie Kartoffeln selber pflanzen können – im Beet und auf dem Balkon.

Kartoffeln ernten
Bei guter Nährstoffversorgung und warmem Wetter kann die Kartoffelernte durchaus üppig ausfallen.© rodimovpavel - stock.adobe.com

Deutschland ist weltweit bekannt als das „Kartoffelesser-Land“, dabei stammt die Knolle ursprünglich aus Südamerika. Es gibt Belege dafür, dass die Inkas die Kartoffel bereits 7.000 Jahre vor Christus kultiviert haben.

Zu Beginn stellte sich der Anbau und die Ernte der Erdapfel-Knolle als schwierig heraus, da die Bevölkerung schlicht nicht wusste, wie dies zu bewerkstelligen sei. Abgesehen davon war nicht ganz klar, dass der Rohverzehr erstens nicht gerade schmackhaft und zweitens durchaus schädlich für den Organismus war.

Im Folgenden erklären wir Ihnen, wie Sie Kartoffeln selber pflanzen und ernten können. Egal ob auf dem Balkon oder im Garten.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Kartoffeln zu pflanzen?

Wann genau der richtige Zeitpunkt ist, um Kartoffel zu pflanzen, hängt ein wenig von der jeweiligen Sorte ab. Die im Handel angebotenen Pflanzkartoffeln eignen sich besonders gut dafür, alternativ können Sie auch herkömmliche Bio-Kartoffeln nehmen. Generell lassen sich aber auch ganz gewöhnliche Speisekartoffeln einpflanzen. Bedenken Sie dabei jedoch, dass die meisten Sorten mit einem keimhemmenden Mittel bearbeitet werden, um das Keimen während der Vorratshaltung zu unterbinden.

Kartoffeln werden gepflanzt, sobald die Bodentemperatur mindestens sieben Grad beträgt. Grob gesagt, ist dies ab etwa April der Fall. Frost bekommt den Kartoffelpflänzchen nicht, weshalb Sie sie in der Anfangszeit gegebenenfalls mit einem Frostschutzvlies abdecken sollten. Erst wenn der Boden konstant zehn Grad und mehr aufweist, braucht es das nicht mehr.

Kartoffeln, die erst im Mai gepflanzt werden, profitieren von den bereits deutlich höheren Temperaturen.

Muss man Kartoffeln vorkeimen?

Theoretisch muss man Kartoffeln nicht vorkeimen. Tut man dies doch, wächst die Knollenpflanze jedoch deutlich robuster und der Ertrag fällt potenziell größer aus. Möchten Sie Ihre Kartoffeln vorkeimen, können Sie damit bereits im März anfangen.

Um Kartoffeln vorzukeimen, gehen Sie so vor:

  1. Füllen Sie eine Kiste mit rund drei bis fünf Zentimeter Anzuchterde auf.
  2. Legen Sie die (Pflanz-)Kartoffeln so hinein, dass sie zur Hälfte in der Erde stecken und zur Hälfte herausschauen.
  3. Stellen Sie die Kiste nun an einen rund 20 °C warmen und vor allem hellen Standort.
  4. Sobald die Kartoffeln zu keimen beginnen, sich also kleine grüne Spitzen bilden, ist es Zeit, sie einzupflanzen. Dies dauert in der Regel zehn bis 14 Tage.

Kartoffeln pflanzen - Standort und Boden

Der Boden sollte unbedingt gut wasserdurchlässig sein. Kartoffeln sind extrem empfindlich gegenüber Staunässe. Ist der vorgesehene Boden zu schwer, sollten Sie diesen vorher unbedingt mit Sand, Blähton oder dergleichen durchmischen. Graben Sie den Boden ausgiebig durch und entfernen Sie Steine und jegliche Wurzelunkräuter. Kartoffeln zählen zu absoluten Starkzehrern. Arbeiten Sie vorab unbedingt Dünger in die Erde ein.

Hornspäne eignet sich beispielsweise ganz hervorragend davor, da Kartoffeln vom hohen Stickstoffgehalt des organischen Düngers profitieren. Was Sie bei der Verwendung von Hornspänen als Dünger sonst noch zu beachten haben und wofür er sich außerdem eignet, lesen Sie hier.

Alternativ können Sie auch Kompost oder ein stickstoffhaltiges Düngepräparat aus dem Handel einarbeiten.

Auch wenn Kartoffeln offiziell zu den sogenannten „Nachtschattengewächsen“ zählen, sollten Sie unbedingt einen vollsonnigen Standort wählen.

Kartoffeln pflanzen

Im Freiland-Beet sowie im Hochbeet zieht man eine Pflanzfurche von zehn bis 15 Zentimetern Tiefe. Setzen Sie die Kartoffeln (vorgekeimt oder nicht) hinein und bedecken Sie sie mit etwas Erde. Die Furche muss nicht zwingend wieder vollständig aufgefüllt werden. Die Kartoffel können ruhig noch etwas aus der Erde ragen. Erst wenn die Kartoffeln weiter austreiben, werden sie nach und nach mit Erde bedeckt, bis die Furchen wieder eingeebnet sind.

Kartoffeln pflanzen im Pflanzsack
Kartoffeln lassen sich gerade auf dem Balkon hervorragend im Kartoffel-Pflanzsack anpflanzen.© Graham - stock.adobe.com

Im Pflanzsack oder Pflanzkasten auf dem Balkon gehen Sie leicht abweichend vor:

  1. Füllen Sie den Pflanzsack etwa bis zur Hälfte mit Erde.
  2. Legen Sie die Kartoffelsetzlinge darauf.
  3. Beginnen die Kartoffeln nun zu wachsen, füllen Sie kontinuierlich Erde nach, bis Sie etwa zehn Zentimeter Erde mehr im Pflanzgefäß haben als zu Beginn.
  4. Bedenken Sie beim Setzen der Kartoffeln, dass die Pflanzen später einen recht hohen Platzbedarf haben. Im Freiland sollten Sie deshalb einen Abstand von mindestens 30 Zentimetern von Kartoffel zu Kartoffel innerhalb einer Reihe lassen. Die einzelnen Reihen wiederum zieht man besser in einem Abstand von 60, besser 70 Zentimetern zueinander.

Im Pflanzsack setzt man Kartoffeln so, dass sie rund um sich herum mindestens zehn Zentimeter Platz haben.

Kartoffel-Pflanzen pflegen

Bewahren Sie die Kartoffel-Setzlinge unbedingt vor Frost. Im Zweifel ist es besser, sie mit einem Frostschutzvlies abzudecken. Sind die Pflanzen etwa zwanzig Zentimeter hoch, häuft man die Erde rings herum gut an. Im Freiland gelingt dies am besten, wenn man zwischen den einzelnen Pflanzbereichen abermals eine Furche zieht und die Erde jeweils rechts und links davon an die Kartoffelpflanzen heranschiebt.

Achten Sie stets darauf, dass Ihre Kartoffeln ausreichend gewässert sind. Sie sollten nicht trockenstehen, Staunässe ist allerdings auch nicht gut. Insbesondere an heißen Tagen ist es ratsam, die Kartoffeln früh morgens (am besten noch, ehe die Sonne voll darauf scheint) ausgiebig zu gießen.

Achten Sie beim Gießen darauf, die Blätter auszusparen. Generell schadet das der Pflanze zwar nicht, es begünstigt jedoch Krautfäule und dergleichen.

Kartoffeln sind extrem nährstoffbedürftig. Haben sie allerdings bereits ausgetrieben, sollten Sie den Boden besser nicht nochmal großzügig umgraben, um Hornspäne und ähnliches einzuarbeiten. Besser ist ein Flüssigdünger, der über das Gießwasser verabreicht wird.

Dafür eignet sich entweder ein Spezialpräparat aus dem Handel, oder Sie stellen den Dünger selbst her. Wie Sie Dünger selber machen, lesen Sie hier.

Kartoffeln ernten

Abhängig von der Sorte, ob Sie die Kartoffeln vorgekeimt haben, dem Standort und wann Sie die Kartoffeln gepflanzt haben, unterscheidet sich auch der Zeitpunkt der Ernte.

Kartoffelpflanzsäcke und -Kisten werden häufig mit einem kleinen „Fenster“ nahe dem Behälterboden angeboten. Durch dieses ist jedoch nicht immer etwas zu erkennen. Es gibt ohnehin ein viel deutlicheres Indiz dafür, wann es Zeit für die Kartoffelernte ist.

Grob gesagt, brauchen Kartoffeln rund drei Monate. Ob sie fertig sind, zeigt sich daran, dass die Blätter beginnen sich gelb-braun zu verfärben und zu verdorren. Haben Sie jedoch besser etwas Geduld und ernten Sie nicht gleich beim allerersten Anzeichen. Warten Sie besser, bis sich diese Verfärbung deutlich zeigt.

Graben Sie zum Test zunächst nur eine einzige Kartoffel vorsichtig aus. Lässt sich das Grün gut lösen und sind die Knollen groß genug, haben Sie den richtigen Zeitpunkt erwischt. Im Beet eignet sich für die Kartoffelernte am besten eine Grabegabel.

Gehen Sie jedoch nicht zu ungestüm vor. Andernfalls laufen Sie Gefahr, dass sich einzelne Kartoffel-Knollen von der Pflanze noch im Boden lösen und dort verbleiben beziehungsweise vergessen werden. Das kann insofern problematisch sein, wenn Sie an derselben Stelle im kommenden Jahr eine andere Pflanze setzen möchten.

Die im Boden verbliebene Kartoffel könnte mit wieder steigenden Temperaturen im Frühjahr von Neuem beginnen zu keimen und den eigentlich gesetzten Pflänzchen die Nährstoffe streitig machen.

Die Kartoffelernte aus de Pflanzgefäß ist etwas einfacher:

  1. Schneiden Sie das oberflächliche Kartoffelkraut ab.
  2. Breiten Sie eine Plane oder einige Blatt Zeitungspapier auf dem Boden aus und leeren Sie den gesamten Pflanzbehälter um.
  3. Verteilen Sie alles gut auf der Auslagefläche.
  4. Sammeln Sie die einzelnen Knollen ein und schneiden Sie gegebenenfalls einzelne Wurzelfäden ab, die die Knollen noch miteinander verbinden.

Die Pflanzerde ist in der Regel zu stark ausgelaugt, als dass sie nochmal verwendet werden könnte. Möchten Sie dennoch vermeiden, das Substrat zu entsorgen, sollten Sie es besser in einem gesonderten Behälter aufbewahren. Dieses kann in einem Mischungsverhältnis von mindestens 1:3 zusammen mit frischer Erde beim Umtopfen von Pflanzen verwendet werden, die einen sehr geringen Nährstoffbedarf haben.

Übrigens: Das abgeschnittene Kartoffelkraut (egal ob aus dem Beet oder vom Pflanzgefäß auf dem Balkon) sollten Sie besser nicht über den gewöhnlichen Komposter entsorgen. Kartoffelkraut neigt dazu, Krankheiten auszubilden und Schädlinge anzulocken. Optimal ist die Entsorgung über eine Grünabfall-Sammelstelle.

Alternativ können Sie das Kartoffelkraut auch mittels sogenannter Kartoffelfeuer vernichten. Dabei sollten Sie allerdings unbedingt vorab in Erfahrung bringen, ob das Verbrennen von Grünabfällen an Ihrem Wohnort erlaubt ist und wenn ja, welche Bedingungen Sie dabei beachten müssen.

Schmackhafte Kartoffelrezepte für jedermann finden Sie hier auf unserem Schwesterportal zuhausewohnen.de

Kartoffeln selber anzupflanzen und zu ernten ist zwar nicht schwer, aber auch kein Selbstläufer. Häufig gelingt es nicht beim ersten Versuch. Lassen Sie sich davon jedoch nicht entmutigen und probieren Sie es im kommenden Jahr einfach nochmal.

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