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Bauernregeln im Garten

Bauernregeln gehen auf jahrhundertealte Beobachtungen von Wetter, Pflanzen und Tieren zurück. Lange vor der ersten Wettervorhersage erkannten unsere Vorfahren wiederkehrende Muster und zogen daraus ihre Schlüsse. Lesen Sie hier, welche Bauernregeln noch heute gelten.

Bauernregeln
Bauernregeln basieren auf jahrhundertealten Beobachtungen von Wetter, Tieren und Pflanzen und können sich regional unterscheiden.© doidam10 - stock.adobe.com

Früher waren Bauernregeln entscheidend für eine gute Ernte. Sie basieren auf Beobachtungen von Wetter, Pflanzen und Tieren im Verlauf der Jahreszeiten und wurden über Generationen mündlich weitergegeben. Damit die Menschen sich die Bauernregeln leichter merken konnten, wurden sie in Reimform formuliert. 

Bauernregeln für das Gartenjahr

Dass Bauernregeln dabei nach Jahreszeiten geordnet werden, liegt auf der Hand. Allerdings sollten Sie auch im Hinterkopf behalten, dass viele Bauernregeln nur in der Region, in der sie entstanden sind, richtig verlässlich sind: Im Voralpenraum verhält sich das Wetter anders als in der Rhön, im Harz oder an der Küste. 

Achten Sie deshalb darauf, Bauernregeln anzuwenden, die sich auf Ihre Heimatregion beziehen. So erzielen Sie die besten Erfolge beim Gärtnern nach Bauernregeln. 

Besonders verlässlich sind die Bauernregeln zu den Lostagen, also zu Tagen, die eine Prognose für das Wetter der nächsten Wochen und Monate erlauben. Bei diesen Lostagen gibt es regional oft nur kleine Abweichungen, da es sich hierbei um besonders regelmäßig auftretende und stabile Wetterphänomene handelt.

Bauernregeln
Bauernregeln im Frühling warnen oft vor plötzlichen Kälteeinbrüchen.© Patrick Daxenbichler - stock.adobe.com

Bauernregeln im Frühling

Schon im März konnten die Bauern anhand der Bauernregeln das Wetter für die kommenden Wochen und Monate vorhersagen. 

So gilt: Frost am 3. März, dem Tag der heiligen Kunigunde, spürt man noch 40 Tage später. 

Dazu kommen besonders dem 29. März, dem 30. März und dem 31. März besondere Bedeutung zu: Das Wetter an diesen Tagen verrät das Wetter für den kommenden Frühling, Sommer und Herbst.

Im Mai ist auch heute noch mit den Eisheiligen zu rechnen. Während die Eisheiligen im Norden schon am 11. Mai mit dem Tag des Heiligen Mamertus beginnen, starten sie im Süden erst einen Tag später mit dem Tag des Heiligen Pankratius am 12. Mai. Dafür enden die Eisheiligen in Norddeutschland bereits am 13. Mai mit dem Tag des Heiligen Servatius, im Süden hingegen zählen auch der Heilige Bonifatius und die Heilige Sophie noch zu den Eisheiligen.

  • Wie's im März regnet, wird’s im Juni regnen.
  • Ist der April schön und rein, wird der Mai um so wilder sein.
  • Vor Nachtfrost du nicht sicher bist, bevor Sophie vorüber ist.
Bauernregeln
Bei den Bauernregeln für den Sommer steht die kommende Ernte im Mittelpunkt.© Colette - stock.adobe.com

Bauernregeln für den Sommer

Die bekannteste Bauernregel für den Sommer ist bestimmt die Regel um den 27. Juni, den Siebenschläfertag. Sie besagt, dass sich das Wetter, das an diesem Tag beobachtet werden kann, für ganze sieben Wochen hält. 

Zuvor kann jedoch die Schafskälte im ersten Monatsdrittel noch empfindliche Schäden verursachen. Bei diesem Wetterphänomen zieht nasskalte Luft von Nordwesten ins Landesinnere und kann auch im Juni noch Frostschäden an empfindlichen Pflanzen verursachen. 

Vom 23. Juli bis 23. August dauern schließlich die Hundstage. Auch am Wetter, das in diesem Zeitraum herrscht, lässt sich vieles für das Wetter im weiteren Jahreslauf ablesen.

So verspricht trübes Wetter eher düstere Aussichten für das weitere Garten- und Erntejahr. Heißes, sonniges Wetter hingegen fordert zwar häufigeres Gießen vom Gärtner, trägt dafür aber auch dazu bei, dass die Früchte rechtzeitig voll ausreifen. Heißes Wetter im Juli verspricht reiche Ernte für den September.

Im August beginnt die Erntezeit, gleichzeitig nimmt die Intensität der Sommerhitze bereits ab, die Nächte sind oft schon kühler. Dennoch sind die Sommertage im August unerlässlich dafür, dass die Ernte voll ausreift. Das Wetter am 15. August, Mariä Himmelfahrt, kann dabei als Vorzeichen für das Wetter im Herbst gesehen werden.

  • Das Wetter am Siebenschläfertag sich sieben Wochen halten mag.
  • Trübe Aussicht an den Hundstagen, trübe Aussicht das restliche Jahr.
  • Wie das Wetter am (Mariä) Himmelfahrtstag, so der ganze Herbst sein mag.
Bauernregeln
Im Herbst deuten viele Bauernregeln das Wetter in Hinblick auf den kommenden Winter.© DoraZett - stock.adobe.com

Bauernregeln für den Herbst

Auch im September steht die Ernte noch im Fokus, doch auch der nahende Winter wird in den Bauernregeln schon berücksichtigt. So soll das Wetter am 29. September verraten, wie lang und kalt der Winter wird: Ein sonniger Sankt-Michaels-Tag kündigt einen langen, kalten Winter an, ist es an diesem Tag jedoch nass und trüb, ist mit einem milden Winter zu rechnen. 

Ein windiger Oktober deutet auf einen zeitigen Wintereinbruch hin, insbesondere bei starkem Wind zwischen dem 10. Oktober und dem 10. November. Nicht nur die Bauernregeln, auch die Gärtnererfahrung verraten hingegen: Spätestens zum 28. Oktober sollte Ihr Garten winterfest sein, um Kälteeinbrüche unbeschadet zu überstehen. 

Wie lang Winter wird, ist auch ein zentrales Thema der Bauernregeln im November. So deutet Laub, das bis in den November hinein an den Bäumen hängt, auf einen langen Winter hin. Schnee am 11. November deutet auf einen besonders harten Winter hin, während Gewitter im November Hoffnungen auf einen guten nächsten Sommer wecken. 

  • Gibt Michael Sonnenschein, wird es in zwei Wochen Winter sein.
  • Im Oktober Sturm und Wind einen frühen Winter kündet.
  • Hängt das Laub bis in den November hinein, wird der Winter lange sein.
Bauernregeln
Die Bauernregeln für den Winter wagen bereits einen Ausblick auf den nächsten Sommer.© Gajus - stock.adobe.com

Bauernregeln für den Winter

Die Bauernregeln für den Winter wagen bereits einen Ausblick auf das kommende Jahr. Ein kalter, schneereicher Dezember deutet danach zwar darauf hin, dass das Winterwetter sich stabil halten wird, bedeutet jedoch auch, dass der Frühling rechtzeitig kommt. Ein mildes Weihnachtsfest deutet hingegen auf Kälteeinbrüche im Spätwinter bis in den Frühling hinein hin.

Für einen kalten Januar versprechen die Bauernregeln einen heißen, sonnigen Sommer und eine gute Ernte im Herbst. Die Bauernregeln im Februar zeugen bereits vom Warten und Hoffen auf den Frühling und stellen auch Warnungen da, nicht unvorsichtig zu früh mit dem Bestellen des Gartens zu beginnen.

So deutet eine sonnige Lichtmesswoche (um den 2. Februar) darauf hin, dass sich der Winter noch lange hinzieht. Auch die Regenmengen der kommenden Monate lassen sich im Februar vorhersagen: So deutet ein trockener Februar insgesamt auf ein trockenes Jahr hin, während ein nasser Februar viel Regen verspricht. Ist es am 12. Februar sonnig, können sich Gärtner und Landwirte auf eine reiche Ernte freuen. 

  • Sonnt sich der Dachs in der Lichtmesswoche, bleibt er noch sechs Wochen im Loche.
  • Donnert’s überm kahlen Wald, wird’s gewiss noch einmal kalt. 
  • Ist der Januar hell und weiß, wird der Sommer sicher heiß.

Bauernregeln basieren auf jahrhundertealten Beobachtungen von Wetter, Tieren und Pflanzen in der unmittelbaren Umgebung. Damit sind Bauernregeln nicht ohne Weiteres überregional gültig. 

Durch den Klimawandel und die damit einhergehenden Wetterveränderungen haben die Bauernregeln zudem teilweise Gültigkeit eingebüßt. Trotzdem steckt auch heute noch ein wahrer Kern in vielen Bauernregeln. Sie können so Gärtnern helfen, im Einklang mit den Jahreszeiten zu arbeiten für bessere Ernten und gesunde Pflanzen.

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