Bauernregel

So übersteht Ihr Garten die Eisheiligen

Eine feste Größe im Gartenkalender bilden jedes Jahr die Eisheiligen: Danach, so die Bauernregel, drohen bis zum Herbst keine Fröste mehr. Lesen Sie hier, wie Ihr Garten die Eisheiligen gut übersteht.

Die Eisheiligen
Die Eisheiligen bezeichnen einen Kälteeinbruch Mitte Mai© fujipe - stock.adobe.com

Beinahe jedes Jahr im Mai werden die milden Frühlingstage unterbrochen: Die Eisheiligen bringen mitten im Frühling noch einmal einen Kälteeinbruch mit sich. Damit stellt diese Kälteperiode auch eine Zäsur im Gartenjahr dar, denn nach den Eisheiligen ist laut Bauernregel nicht mehr mit Spätfrost zu rechnen. Nun können auch empfindlichere Pflanzen und Vorzuchten ins Freiland umziehen.

Die Eisheiligen: Das steckt dahinter

Der plötzliche Kälteeinbruch in Mitteleuropa entsteht, weil sich im Frühling die Landmassen schneller erwärmen als das Meer. Dadurch kommt es zu Luftbewegungen, die kalte Polarluft nach Europa transportieren, die oft Mitte Mai in Mitteleuropa ankommen. Im Mittelalter etablierte sich so die Bezeichnung Eisheilige nach den Heiligen, auf deren Gedenktage die Spätfröste typischerweise fielen.

Wer sind die Eisheiligen?

Die Eisheiligen sind die Gedenktage der Heiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie vom 11. bis einschließlich 15. Mai. Diese Wetterheiligen waren Bischöfe oder Märtyrer und lebten im 4. und 5. Jahrhundert nach Christus.

Während in Norddeutschland Mamertus als der erste Eisheilige gilt, erfüllt in Süddeutschland Pankratius diese Rolle. Der Grund dafür ist, dass in Norddeutschland der Kälteeinbruch oft einen Tag früher beginnt als in Süddeutschland, wo die kalten Luftmassen oft erst einen Tag später ankommen. Außerdem enden die Eisheiligen im Norden üblicherweise mit dem Gedenktag des Heiligen Servatius, während im Süden auch Bonifatius und die „Kalte Sophie“ noch zu den Eisheiligen zählen.

Schon im Mittelalter wurde das Phänomen des Kälteeinbruchs Mitte Mai beschrieben, so dass den Heiligen, deren Gedenktage besonders häufig niedrige Temperaturen bis hin zum Frost verzeichneten, den Namenszusatz Eis- erhielten. Über die Jahrhunderte wurde dieses Wissen überliefert und ist auch heute noch eine der bekanntesten Bauernregeln. Die Eisheiligen sind auch als „Eismänner“ oder „Gestrenge Herren“ im Volksmund bekannt, wobei die „kalte Sophie“ hier miteingeschlossen wird.

Spätfrost
Besonders Obstbäume sind durch den Spätfrost gefährdet.© Werner - stock.adobe.com

Obstbäume vor Frost schützen

Während der Spätfröste im Mai kann es empfindlich kalt werden. Dabei können besonders Obstbäume Schaden nehmen, deren Blüten erfrieren, so dass es zu Ernteausfällen kommen kann.

Um Ihre Obstbäume vor Frost zu schützen, behalten Sie am besten die Wettervorhersage im Auge. Kündigen sich kalte Nächte an, können Sie die Baumkronen kleinerer Bäume oder auch einzelne Zweige größerer Bäume mit Frostschutzvlies umwickeln, um die Blüten zu schützen. Tagsüber muss das Vlies jedoch entfernt werden, um den Bienen den Zugang zu den Blüten zu ermöglichen.

Zusätzlich können Sie auch einen großen Eimer mit heißem Wasser unter den Obstbaum stellen. Die aufsteigende Wärme schützt zusätzlich vor Frost.

Mehr Wasser verbraucht eine Beregnungsanlage, die die ganze Nacht laufen sollte, sobald die Temperaturen unter null Grad fallen. Wasser gibt beim Gefrieren Wärme ab und schützt so kurzzeitig die Blüten. Alternativ können Sie auf alle Blüten einzeln mit Wasser zu besprühen, so dass möglichst viel Wasser auf den Blüten liegt.

Die Stämme der Obstbäume schützen Sie am Besten mit Strohmatten oder speziellen Kalk-Farben vor Frost.

Die Eisheiligen im Garten

Auch wenn die Spätfröste nicht in jedem Jahr auftreten, bieten die Eisheiligen dennoch eine gute Orientierungsmöglichkeit für Gärtner. Ab Mitte Mai können Sie zum Beispiel auf der Fensterbank oder im Frühbeet vorgezogene Gemüsepflanzen wie Tomaten, Gurken oder Paprika ins Freiland setzen. Auch nicht winterharte Pflanzen können nach den Eisheiligen ins Beet gepflanzt oder in Kübeln nach draußen gebracht werden.

Anfälligere Blumen- und Gemüsepflanzen, die Sie schon vor den Eisheiligen gepflanzt oder ausgesät haben, können Sie beispielsweise mit Reisig oder Gartenvlies vor den Spätfrösten schützen.

Spätfrost
Ein Gartenvlies schützt junge Pflanzen im Freilang vor Frost.© etfoto - stock.adobe.com

Am Tag erwärmt sich die Luft unter dem Vlies, kann jedoch nicht abziehen und bleibt so nahe bei den Pflanzen. Dieses Luftpolster wirkt wie eine Isolierung. Zudem kondensiert die Luftfeuchtigkeit am Vlies zu Wasser, was einen zusätzlichen Schutz für die Pflanzen darstellt. Das Vlies schützt die Jungpflanzen außerdem vor dem Austrocknen und bietet einen Sonnenschutz für die zarten Blätter.

Graben Sie das Vlies an einer Längsseite wenige Zentimeter tief im Boden ein, legen Sie es ausgebreitet über das Beet und beschweren Sie die anderen Seiten mit Steinen oder Latten, so dass der Wind das Vlies nicht aufdecken kann. Indem Sie Mauersteine unterlegen, können Sie das schützende Luftpolster unter dem Vlies sogar noch vergrößern.

Viele Pflanzen überstehen die Frostperiode der Eisheiligen jedoch auch ohne zusätzlichen Schutz. Dazu zählen zum Beispiel Möhren, Erbsen, Spinat und Radieschen sowie Frühblüher wie Maßliebchen, Stiefmütterchen, Tulpen, Maiglöckchen und Ranunkeln.

Frühblüher
Frühblüher wie Maßliebchen halten die Eisheiligen gut aus.© Eva - stock.adobe.com

Die Eisheiligen heute

Im Zuge der Kalenderreform 1582 und der Einführung des gregorianischen Kalenders verschoben sich die Gedenktage der Heiligen um 10 Tage. Zwar ist der Kälteeinbruch im Mai ein relativ häufig zu beobachtendes Phänomen, das jedoch oft auch erst 10 Tage nach den Gedenktagen der Heiligen eintritt.

Auch der Klimawandel sorgt dafür, dass über Jahrhunderte überlieferte Bauernregeln an Genauigkeit einbüßen, da Wetter- und Tempertaturschwankungen unregelmäßiger und schwerer einzuschätzen sind. So können auch noch bis Ende Mai Nachtfröste auftreten.

Zwar schätzen viele Gärtner die alten Bauernregeln als wertvolle Hinweise, dennoch sollten Sie gerade im Frühling und Herbst die Wettervorhersage verfolgen, die zuverlässiger vor Wetterumschlägen und Temperatureinbrüchen warnt. Zu diesen zählt beispielsweise die Schafskälte, die Mitte Juni die Temperaturen noch einmal einbrechen lässt.

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