Renovierung

Ein neues Bade­zimmer ohne Staub und Lärm

Bei der Renovierung des Badezimmers oder der Küche macht das Ab­schlagen der alten Fliesen Lärm, Staub und Arbeit. Doch es geht auch einfacher.

Renovierungsbeduerftiges Badezimmer
Dieses Badezimmer ist alles andere als modern, weshalb eine Renovierung angebracht wäre. © Frank Zeidler-Kanter

Es sind nicht einmal die Kosten allein, die uns davon abhalten, das Badezimmer neu zu gestalten. Vielmehr denkt man mit Grausen an den Schmutz und den Lärm, der durch das Abschlagen der alten Fliesen verursacht wird. Es gibt aber die Möglichkeit, die alten Fliesen zu belassen und neue auf die alten zu kleben.

Badrenovierung: Die richtige Planung 

Bevor man mit den Umbaumaßnahmen beginnt, ist zu überlegen, was verändert werden soll. Da die Wand vollkommen neu verkleidet wird, könnten bei dieser Gelegenheit die Sanitärelemente auch neu angeordnet werden. Die alten Bäder waren meistens nur bis etwas über Wandmitte verfliest. Es ist kein Problem, höher zu verfliesen.

Bei der Wahl der Fliesen sollte man sich nach möglichst dünnen Platten umsehen. Bei zu starken Fliesen müsste z. B. die Badewannenverkleidung vorher vom alten Fliesenbelag befreit werden. Weist man beim Kauf der Fliesen den Verkäufer darauf hin, dass Fliese auf Fliese verlegt werden soll, bekommt man sicher das richtige Angebot.

Fliesen sind ein sehr langlebiger Wandbelag. Der Wunsch nach einer Renovierung des Bads entsteht meistens nicht, weil die Fliesen abgenutzt sind, sondern weil sie nicht mehr gefallen, weil sie unmodern geworden sind. Die neuen Fliesen sollten unter dem Gesichtspunkt ausgesucht werden, dass sie auch morgen noch den Ansprüchen gerecht werden.

Fliese auf Fliese verlegen

Der Fugenverlauf des alten Fliesenbelags darf für die neuen Fliesen nicht übernommen werden, da es sonst zu Rissbildungen in der Fuge kommen kann. Die Flächen müssen also neu eingeteilt werden, was sich in diesem Beispiel durch das abweichende Fliesenformat sowieso ergibt.

Wenn Senkrechte und Waagerechte stimmen, was mit Senklot und Wasserwaage überprüft wird, kann man sich beim Anzeichnen der Flächen an diesen Linien orientieren. Die Lage der Dekorfliesen und der umlaufenden Bordüre werden angezeichnet.

©Frank Zeidler-Kanter

Der alte Fliesenbelag muss gründlich gereinigt werden. Im Laufe der Jahre hat sich ein Belag aus Seifen- und Kalkrückständen gebildet. Mit einem Scheuermittel wird die Fläche kräftig abgeschrubbt. Die Kalkrückstände können am wirksamsten mit einem Reinigungsessig (Essigessenz) entfernt werden. Starke chemische Mittel sind nicht unbedingt erforderlich.

Um die Haftung des neuen Fliesenbelags noch weiter zu verbessern, kann die Fläche mit Sandpapier angeschliffen werden. Ein kleiner Winkelschleifer leistet hier die besten Dienste. Während dieser Arbeit wird man auch feststellen, wo noch Unebenheiten sind, die ausgebessert werden müssen.

Wer ganz sicher gehen will, kann die Glasur der alten Fliesen mit einem Fliesenhammer anpicken. Statt die alten Fliesen mechanisch anzurauen, kann man zur Haftverbesserung vor dem eigentlichen Verkleben auch eine hauchdünne Schicht Fliesenkleber aufziehen und trocknen lassen.

©Frank Zeidler-Kanter

Die Gipskartonplatten müssen vor dem Verfliesen grundiert werden. Die Fugen zwischen Mauerwerk und den Gipskartonplatten müssen mit einem Armierungsgewebe abgedeckt werden. Die Verlegefläche muss absolut eben sein, da der Dispersionskleber nur dünn aufgetragen wird und maximal 1 mm Unebenheit ausgeglichen werden kann.

Darauf werden dann die Fliesen verlegt. Die Stoßfuge zwischen alten Fliesen und dem Ausgleichsputz der Wand muss mit einer Gewebespachtelung überbrückt werden. Damit werden Rissbildungen in diesem Bereich vermieden.

©Frank Zeidler-Kanter

Für das Verlegen der Wandfliesen wird ein gebrauchsfertiger Dispersionskleber verwendet, d. h., er muss nicht angezischt werden. Der Kleber wird dünn auf der Verlegefläche aufgetragen und gut durchgekämmt.

An der oberen Fliesenreihe sollte waagerecht aufgekämmt werden, damit kein Schwitzwasser hinter die Fliesen ziehen kann. Der Fliesenkleber wird bei dieser Art des Fliesenverlegens sehr dünn aufgetragen. Entsprechend fein ist die Zahnung des Spachtels.

©Frank Zeidler-Kanter

Danach verlegt man zuerst den unteren, dann den oberen Teil der Wand. Die Stellen, an denen Dekorfliesen gesetzt werden sollen, werden frei gelassen. Sie werden zum Schluss geklebt.

Die offene Zeit bei diesem Dispersionskleber, d. h. die Zeit, die der Kleber nach dem Aufkämmen feucht bleibt, ist genau wie bei den Klebemörteln 30 Minuten. Die Fliesen werden wie beim normalen Verlegen in die dünne Kleberschicht gedrückt. Die Verlegefläche muss eben sein.

©Frank Zeidler-Kanter

Die Maßhaltigkeit der Horizontale wird während der Arbeit laufend mit der Fliesenhexe kontrolliert. Die Bordüre wird gesetzt, wenn eine Wandhälfte fertig verfliest und die untere Fliesenreihe angezeichnet ist.

©Frank Zeidler-Kanter

Fliesenkreuze sind hilfreich, um eine gleichmäßige Fugenbreite einzuhalten. Die Kreuze bleiben im Kleberbett. Die Horizontale wird mit der Wasserwaage überprüft, bevor der untere Teil der Wand fertig verfliest wird. Dekorfliesen werden zum Schluss gesetzt. Ist der Kleber nicht mehr feucht, wird auf der Fliesenrückseite Kleber aufgetragen.

Trotz sofortiger Haftung der Fliesen sind Korrekturen noch kurze Zeit möglich. Kleberreste müssen sofort mit einem feuchten Tuch abgewischt werden. Dispersionskleber kann übrigens auch für den Bodenbelag verwendet werden. Zur Erhöhung der Endfestigkeit muss dann allerdings Zement zugesetzt werden. Die Wandflächen können frühestens nach 48 Stunden verfugt werden.

©Frank Zeidler-Kanter

Das Badezimmer entspricht jetzt wieder den heutigen Ansprüchen. Die Verkleidung wurde bis zur Decke hochgezogen. Die weißen Fliesen wurden auf den alten blauen Belag geklebt.

Die neue Ausgabe ist da: selber machen - Jetzt am Kiosk!