Eklig oder nützlich?

Düngen mit Blut und Knochen

Nach dem Winter brauchen Pflanzen eine Extraportion Nährstoffe. Ein ganz besonderer Dünger ist dabei fast in Vergessenheit geraten: Schon unsere Vorfahren düngten mit Blut und Knochen. Überholte Praxis oder vergessener Wunderdünger? Wir klären auf!

Rosen düngen mit Blut
Diese Rosen sind von Natur aus rot - für die Blütenpracht könnte trotzdem Blut verantwortlich sein!© S.KOBAYASHI - stock.adobe.com

Die Vorstellung, einen Becher Blut unter die Rosen oder Tomaten zu gießen, stößt schnell auf Widerstand. Das ist nur verständlich, doch bringt man sich und seine Pflanzen so um einen höchst nährstoffreichen Dünger, der insbesondere von Rosen, Tomaten und Beeren gut aufgenommen wird.

Übrigens: Auf welche Gartengeräte Sie verzichten können, lesen Sie hier.

Blut als Dünger

Schaut man sich die chemische Zusammensetzung von Blut näher an, wird deutlich, dass es sich dabei um einen hervorragenden Dünger handelt. Blut enthält 12% Stickstoffverbindungen, 80% Proteine und viele Spurenelemente. Das macht es besonders für Erdbeeren, Himbeeren und Rosen zum effektiven Dünger.

Blut zum Düngen ist unter dem Namen Blutmehl als Pulver verfügbar, es gibt aber auch flüssigen Dünger mit Blut-Zusatz. Zur Herstellung wird Tierblut verwendet, das bei der Schlachtung anfällt. Im Zoobedarf gibt es außerdem reines Blut in flüssiger Form oder als Blutmehl zu kaufen, das sich ebenso zur Verwendung als Dünger eignet.

Blutmehl als Dünger
Das rotbraune Blutmehl hat große Ähnlichkeit mit Kakaopulver.© nata777_7 - stock.adobe.com

Als Flüssigdünger wird reines Blut zu gleichen Teilen mit Wasser verdünnt, bei industriell hergestelltem Dünger mit Blut folgen Sie am besten den Empfehlungen auf der Verpackung. Mit dieser Mischung gießt man die Pflanzen direkt an der Wurzel. Blutmehl in Pulverform muss hingegen wie Kaffeesatz in die Erde eingearbeitet werden. Blut wird von den Bodenorganismen besonders schnell zersetzt und die Nährstoffe im Boden bereitgestellt, wo sie direkt von den Pflanzen verarbeitet werden können. Zudem zieht das Blut als Dünger weitere Mikro-Organismen an, wodurch sich die Bodenqualität langfristig verbessert.

Steak für die Fleischtomaten

Wer kein Blut sehen kann oder davor zurückschreckt, seine Pflanzen mit Blut zu gießen, kann auch einfach alle paar Monate ein Stückchen Fleisch in ausreichender Tiefe an den Wurzeln der Pflanzen vergraben. Auch Fleisch ist reich an Stickstoffverbindungen und sorgt so für rasches und kräftiges Pflanzenwachstum. Gerade Küchenabfälle bieten sich hier an!

Knochenmehl als Stickstofflieferant

Auch Knochenmehl punktet mit hohen Stickstoffanteilen. Es besteht aus gemahlenen Tierknochen und ist wie Blutmehl ein Nebenprodukt der Fleischproduktion. Knochenmehl ist bereits gemahlen im Fachhandel erhältlich und wird wie Blutmehl in die Erde eingearbeitet. Alternativ werden im Handel Hornspäne angeboten, die ebenso in die Erde eingearbeitet werden.

Vegetarisch düngen

Wem diese Düngemethoden zu brachial sind, der findet im Pflanzenreich Unterstützung: Besonders Rosen freuen sich über Bananenschalen, die kleingeschnitten direkt in die Erde eingearbeitet werden. Bananenschalen sind eine gute Alternative, wenn Sie auf Mineralstoffdünger verzichten wollen. Sie können die kleingehackten Schalen auch trocknen und einen Vorrat anlegen. So haben Sie immer einen hochwirksamen Rosendünger zur Hand!

Einen Bananen-Flüssigdünger kochen Sie, indem sie 100 Gramm frische zerkleinerte Bananenschale mit 1 Liter Wasser aufkochen und die Mischung über Nacht ziehen lassen. Am nächsten Tag die Schalenstücke abseihen und den Flüssigdünger mit Wasser mischen. Als Faustregel gilt: Etwa 1 Teil Bananen-Dünger auf 5 Teile Wasser.

Wichtig: Verwenden Sie unbedingt Biobananen! Bananen aus konventionellem Anbau sind oft stark mit Schadstoffen belastet, die in den Boden übergehen würden. Biobananen hingegen sind nur mit natürlichen Wirkstoffen behandelt.

Nichts für empfindliche Nasen: Brennnesseljauche

Nicht ganz so gut riecht das folgende Hausmittel: Brennnesseljauche ist ein altbewährter Dünger und auch für Neu-Gärtner leicht anzuwenden. Brennnesseln speichern viel Kieselsäure, Kalium und Stickstoffverbindungen und geben diese an den Boden ab. Damit die wertvollen Stoffe von den Mikroorganismen besser zersetzt werden und so schneller für die Pflanzen bereitstehen, setzt man eine Brennnesseljauche an.

Brennnesseljauche
Die Zutaten für eine Brennnesseljauche sind Brennnesseln, Wasser und Zeit.© fotoliaanjak - stock.adobe.com

Brennnesseljauche – das Rezept

Auf 10 l Wasser verwendet man 1 kg frische Brennnesseln. Diese gründlich zerkleinern und in ein ausreichend großes Gefäß geben, dann mit dem Wasser auffüllen und gut umrühren. Achten Sie darauf, dass die Pflanzen vollständig mit Wasser bedeckt sind!

Anschließend darf die Jauche 10 bis 14 Tage gären. Decken Sie den Behälter während dieser Zeit luftdurchlässig ab. Vorsicht: Die Brennnesseljauche trägt ihren Namen nicht ohne Grund! Eine Handvoll Gesteinsmehl, Lehmerde oder Kompost mildern den Geruch.

Sobald keine Bläschen mehr aufsteigen ist die Jauche fertig und kann verwendet werden! Sieben Sie dazu die Pflanzenreste ab und verdünnen Sie die Brennnesseljauche mit 10 Teilen Wasser auf 1 Teil Jauche. Besonders Gurken und Tomaten reagieren positiv auf eine Brennnesselkur!

Tipp: In dieser Verdünnung auf die Blätter gesprüht, vertreibt die Jauchenmischung auch Schädlinge aus dem Garten!

Ob nun Blut oder Knochen, Brennnesseln oder Bananen: Diese Düngemethoden sind erprobt und halten sich aus einem bestimmten Grund: Sie funktionieren und sorgen zuverlässig für prächtige Blüten und reiche Ernten. Es lohnt sich also, den Ekel zu überwinden!

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