Gartengestaltung

In diesem Garten fühlen sich Igel wohl

Wer Igel im Garten hat, kann sich glücklich schätzen: Die stacheligen Fleischfresser verzehren Schnecken in rauen Mengen und sind so eine große Unterstützung für Gartenfreunde. Wir verraten, wie Sie Ihren Garten für Igel einladend gestalten.

 
Igel im Garten, igelfreundlicher Garten © Vladimir Ya - stock.adobe.com
Im Naturgarten fühlen sich Igel besonders wohl.

Den Garten igelfreundlich zu gestalten, ist eigentlich ganz einfach. Hohes Gras, locker aufgeschichtetes Holz und Reisig, Laubhaufen und Brennnesseln bieten Igeln Unterschlupf und locken Insekten an, von denen sie sich ernähren. Ein igelfreundlicher Garten ist auch für viele weitere heimische Arten ein geeigneter Lebensraum. Bei der igelfreundlichen Modifizierung des Gartens können Sie sich an einer Maßnahmenliste orientieren, die wir für Sie zusammengestellt haben:
 
Schlupflöcher lassen: Männliche Igel legen pro Nacht bis zu 3 Kilometer zurück und achten dabei wenig auf Grundstücksgrenzen. Damit die Tiere sich ungehindert bewegen können, sollten verschiedene Schlupflöcher mit einer Größe von etwa 10 mal 10 Zentimetern zur Verfügung stehen. Dazu können Drahtzäune am Boden ein wenig hochgebogen werden, bei Lattenzäunen bietet es sich an, die unteren 10 Zentimeter einzelner Latten zu entfernen.
 
Für Unterschlupf sorgen: Igel halten Winterschlaf und sind daher besonders im Herbst auf Unterschlupfmöglichkeiten angewiesen. Auch für die Geburt und Aufzucht der Jungen benötigen sie einen ruhigen Ort. Geeignet sind lockere Reisighaufen, hohle Bäume und Holzstöße oder auch Hohlräume unter Hütten und Schuppen. Auch Igelhäuser werden gerne angenommen. Eine Bauanleitung finden Sie zum Beispiel hier. Wichtig: Bieten Sie den Unterschlupf in einer ruhigen Ecke an, wo die Tiere ungestört bleiben. Herbstlaub, Heu oder Stroh dienen zum Auspolstern des Schlafplatzes. Räumen Sie daher zusammengerechtes Laub nicht weg, sondern lassen Sie ein wenig für die Igel liegen. Auch Insekten, die den Igeln als Nahrung dienen, verstecken sich gerne im Herbstlaub.
Übrigens: Wie Sie Marienkäfern ein Winterquartier bieten, erklären wir hier.

Reisighaufen Unterschlupf für Igel©Christine Kuchem - stock.adobe.com

Heimische Hecken: Dichte Hecken aus heimischen Gehölzen wie Weißdorn oder Liguster bieten Igeln einen geschützten Rückzugsort. Blühpflanzen, Streuobstflächen und Insektenhotels locken Insekten an, die auch die Nutzpflanzen im Garten bestäuben und deren Larven dem Igel schmecken. Eine unter Aufsicht verwilderte Ecke mit Brennnesseln, hohem Gras und etwas Totholz wird zum Insekten- und Igelparadies.

Igel im Garten: Vorsicht bei der Arbeit

Regional gärtnern: Wählen Sie regionale Pflanzen für die Gartengestaltung und verzichten Sie auf exotische Gewächse oder einen englischen Rasen. Heimische Bestäuber wie Bienen oder Schmetterlinge haben sich im Lauf der Jahrtausende an bestimmte Blütenformen angepasst und können mit Pflanzen aus anderen Klimazonen oft nichts anfangen. So verhungern sie quasi am gedeckten Tisch, und mit ihnen der Igel. Heimische Gartenpflanzen sind an das hiesige Klima und die Insektenwelt angepasst. Zudem bieten auch sie Unterschlupf und Verstecke.
 
Vorsicht bei der Gartenarbeit: Igel sind nachtaktiv und schlafen tagsüber. Dabei verstecken sie sich auch an geeigneten Stellen im hohen Gras. Gehen Sie daher beim Rasenmähen besonders vorsichtig vor oder machen Sie vorher einen Kontrollgang, damit kein Igel unter die Räder kommt. Im Herbst können Laubsauger besonders für junge Igel zur tödlichen Gefahr werden. Verzichten Sie daher nach Möglichkeit darauf. Gehen Sie auch beim Umschichten von Laubhaufen und Gartenabfällen behutsam vor. Wenn Sie einen schlafenden Igel finden, decken Sie ihn wieder zu und lassen ihn schlafen. Am besten bleiben Laub- und Komposthaufen zwischen November und März einfach liegen, denn sie bieten nicht nur den Igeln Unterschlupf, sondern auch vielen anderen nützlichen Lebewesen.
 
Fallen erkennen und entschärfen: Kellerschächte oder tiefe Gruben können für Igel zur Falle werden, aus der sie nicht entkommen können und verhungern. Decken Sie solche Stellen daher ab oder bieten Sie Bretter, am besten mit Querleisten, als Ausweg an. Auch in Gartenteichen wird ein Brett zum Lebensretter: Igel können nicht lange schwimmen und ertrinken leicht. Eine solche Igelleiter erspart den Tieren dieses Schicksal. Wer einen Teich neu anlegt, sollte auf flache Ufer achten, so dass die Igel nicht ins Wasser stürzen. Steile Treppen werden igelkompatibel, wenn Sie auf jede Stufe einen Ziegelstein legen und so die Stufenhöhe reduzieren. Müllsäcke sollten erst am Abholtag und gut verschlossen rausgestellt werden, denn der Geruch der Nahrungsmittelreste lockt Igel an, die sich dann nicht mehr befreien können.

Igel im Herbst©Robert - stock.adobe.com

Wasserstellen im Garten

Trinkwasser bereitstellen: Nicht nur im heißen Sommer, auch zu den anderen Jahreszeiten leiden Igel und andere Tiere unter Trockenphasen. Sie alle freuen sich, wenn Sie frisches Trinkwasser in einem flachen, nicht zu hohen Behälter anbieten. Das Gefäß sollte stabil stehen und nicht umkippen können. Einige Steine im Wasser erhöhen das Gewicht. Achten Sie darauf, das Wasser täglich zu wechseln und die Schale zu reinigen, damit sich keine Krankheiterreger bilden können. Tauschen Sie im Winter das Wasser mehrmals täglich, damit sich keine Eisschicht bildet.
 
Gemächlich starten: Igel halten bis in den April hinein Winterschlaf. Gehen Sie deshalb behutsam vor, wenn Sie den Garten im Frühjahr frisch machen und bewegen Sie gelagerte Gartenabfälle, Laub oder Reisig nur vorsichtig. Holzhaufen für Lagerfeuer sollten Sie erst kurz zuvor aufschichten oder länger liegende Holzhaufenvor dem Anzünden durchsichten und sicherstellen, dass sich kein Igel darin befindet.
 
Schneckenkornverzicht: Da Igel begeisterte Schneckenfresser sind, stellt Schneckenkorn eine Gefahr dar: Frisst ein Igel eine vergiftete Schnecke, nimmt er auch das Gift auf und stirbt qualvoll. Auch für Hunde und Katzen kann das Mittel gefährlich werden. Verzichten Sie daher nach Möglichkeit auf Schneckenkorn oder greifen Sie zu einem igelsicheren Produkt. Wer einen Igel im Garten hat, kann allerdings auch einfach diesem die Schneckenbeseitigung überlassen, denn der Appetit des Igels ist riesengroß. Ein igelfreundlicher Garten ist somit die beste Maßnahme gegen Schnecken.
 
Schon kleine Veränderungen können den Garten für Igel attraktiver machen. So können Sie sich vielleicht bald über einen stacheligen Besucher freuen, der den Garten schneckenfrei hält.
 

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