Trinkwasser

Trinkwasser aus dem eigenen Garten

Trinkwasser gehört zu den kostbarsten Rohstoffen unseres täglichen Lebens. In aufwendigen Verfahren zum Lebensmittel gemacht, wird es weiterhin im Wert steigen und teurer werden. Ein guter Grund, in Haus und Garten möglichst viel Trinkwasser durch Regenwasser zu ersetzen – mit einem Sammeltank im Garten ist das in jedem Haus machbar.

 
Transport eines Sammeltanks © Selbermachen
Transport eines Sammeltanks

Jedes Jahr versickern unzählige Kubikmeter Regenwasser ungenutzt in Gärten oder werden über die Dachrinne unbemerkt ins Regenwassersiel abgeleitet. Eigentlich eine enorme Verschwendung. Kostet doch jeder Kubikmeter Trinkwasser mindestens rund 1,50 Euro und schlägt als Abwasser je nach Entsorger mit etwa 1,60 bis 2,60 Euro zu Buche, da er ja wieder aufbereitet werden muss. Besonders unverständlich ist es da, wenn mit dem teuren Nass der Garten bewässert, der WC-Spülkasten gespeist oder Wäsche gewaschen wird. Ein Regenwasser-Sammeltank mit mehreren Kubikmetern Volumen spart diese Ausgaben ein und hilft zugleich, wertvolles Trinkwasser zu sparen. Für jeden Bedarf, jede Haus- und Gartengröße gibt es heute passende Tanks. Selbst in einem kleinen Vorgarten kann man einen voluminösen Tank vergraben und im Haus anschließen.
 

Wo lohnt sich das Regenwassersammeln?

„Verschiedene Modellrechnungen zeigen einen eindeutigen Trend: In diesem Jahrhundert werden wir durch die Klimaerwärmung mildere und feuchtere Winter sowie trockenere Sommer erleben“, sagt Gerhard Müller-Westermeier, zuständiger Diplom-Meteorologe für die nationale Klimaüberwachung beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach. „Schnee wird es durch den Temperaturanstieg ab Mitte des Jahrhunderts oft nur noch in den Hochlagen geben. Aber schon jetzt gibt es Vorboten des zukünftigen Klimas, wie die letzten beiden sehr milden Winter zeigten.

Schon heute, zu Beginn der vorausgesagten Klimaveränderung, fallen in Deutschland, je nach Region, im Jahr durchschnittlich zwischen 500 und 1500 Liter/ qm Regen. Wer davon mit einer nutzbaren Dachfläche von 50 qm einen Teil auffängt, sammelt immerhin wenigstens 25 000 Liter oder 25 cbm im Jahr, die man statt teurem Trinkwasser in Haus und Garten nutzen kann – zugleich spart man oft Abwassergebühren, wenn die mit der Trinkwasserabnahme gekoppelt sind.
 

Wie hoch ist mein Bedarf?

Der durchschnittliche Wasserverbrauch in Deutschland liegt nach Angaben der Verbraucherzentralen heute durchschnittlich bei 127 Litern pro Person und Tag. Eine vierköpfige Familie verbraucht also alle zwei Tage einen Kubikmeter Trinkwasser. Das lässt sich halbieren! Bis zu 50 % des Verbrauchs können durch Regenwassernutzung abgedeckt werden. Neben Baden oder Duschen, wo Trinkwasser aus hygienischen Gründen nicht ersetzbar ist, schlucken die WC-Spülung und die Waschmaschine mit einem Anteil von zusammen rund 38 % das meiste Wasser im Haushalt. Hier, beim Gartenbewässern und beim Putzen kann aber Regenwasser das teure Nass ersetzen.

Doch wie viel Wasser muss man sammeln und wie groß muss der Sammeltank sein, damit alle Hausbewohner genug Regenwasser zur Verfügung haben? Dafür gibt es eine einfache Berechnungsformel, die Regenmenge, Dachfläche und eine Sicherheitsreserve berücksichtigt. Wichtig ist es, die Tankgröße so zu wählen, dass der Tank mehrmals im Jahr überläuft um das Oberflächenwasser sauber zu halten. Ablagerungen an der Wasseroberfläche werden so von selbst ausgespült.
 

Regenwasserbedarf in Litern pro Jahr

  • WC-Spülung: 9000 Liter pro Person/Jahr x Personenzahl
  • Wäsche waschen: 4500 Liter pro Person/Jahr x Personenzahl
  • Putzen/Reinigen: 1000 Liter pro Person/Jahr x Personenzahl
  • Gartenbewässerung: 60 Liter pro Person/Jahr x Personenzahl

 

Welcher Tank ist geeignet?

Tanks zum Sammeln von Regenwasser sind heute entweder aus Beton oder aus Kunststoff, meist Polyethylen (PE), das auch in der Lebensmittelindustrie für Verpackungen verwendet wird.

Betontanks haben einen gewaltigen Nachteil: Sie sind schwer und nur mit großem Baugerät an Ort und Stelle zu bringen. Kunststofftanks dagegen haben, je nach Größe, ein Gewicht zwischen etwa 100 und 300 Kilo. Die kleineren Modelle lassen sich mit einigen Helfern sogar tragen, die Großen lassen sich zu zweit problemlos auf Transportrollbretter heben und dann schieben. Tipp: Tackern Sie Spanngurte an den Rollbrettern fest, die Sie dann um den Tank legen und verzurren. So bleiben die Transportroller selbst bei unebenem Gelände an ihrem Platz.

Wichtig ist ein nahtloser Tank (in der Tankhülle keine Schwachstelle) und ein so hoher Einstiegsdom, dass der Tank mindestens 60 cm unter der Geländeoberfläche eingebaut werden kann. So wird das Wasser frostfrei bleiben und ganzjährig kühl und dunkel gelagert, was Algenbildung und Verkeimung weitgehend verhindert.

Im Wasserzulauf muss ein Feinfilter eingebaut sein der groben Schmutz (Laub, Zweige etc.) herausfiltert. In Tanks, die nur für die Gartenbewässerung benutzt werden, reicht ein eingehängtes Kunststoffsieb, das durch seine feine Maschen selbst kleinste Samen zurückhält und nahezu 100 % des Wassers in den Tank gelangen lässt. Bei häuslicher Regenwassernutzung wird in der Regel ein fest eingebauter Patronenfilter in einem geschlossenen Gehäuse verwendet.

Er hat den Vorteil, dass der Schmutz über den Überlauf wieder herausgespült wird. Das spart eine häufige Kontrolle wie bei eingehängten Siebfiltern, dafür wird aber rund 5 % des Wassers benötigt, das nicht im Tank landet. Außerdem hat er eine größere Maschenweite, die kleinste Verunreinigungen schon mal hindurch lässt. Ein sogenannter beruhigter Zulauf sorgt dafür, dass das Wasser nicht frei in den Tank plätschert und alle Schmutzpartikel aufwirbelt, sondern am Tankboden aus einem Rohr eher hervorquillt. Dadurch setzen sich noch vorhandene Schmutzteilchen schnell auf dem Tankboden ab.

Für die Nutzung ist es ideal, wenn das Wasser einige Zentimeter unterhalb der Oberfläche angesaugt wird. Hier ist das Wasser am saubersten, denn schwere Partikel sinken auf den Boden ab, leichte schwimmen auf der Oberfläche. Ein schweres, metallenes Ansaugsieb, das auf das Schlauchende montiert wird und an einer Schwimmkugel hängt, garantiert die Wasserentnahme knapp unter der Oberfläche, und das Ansaugniveau bleibt bei jedem Wasserstand gleich.
 

Wie sauber ist Regenwasser?

Durch einen guten Filter im Tankzulauf ist das gesammelte Brauchwasser weitgehend frei von groben Verunreinigungen. Anders sieht es bei bakterieller oder Keimbelastung aus. Hier ist eine effektive Aufbereitung des Wassers äußerst aufwendig, so dass sich dies für eine private Nutzung nach heutigem Stand der angebotenen Technik nicht lohnt. Das ist auch der Grund für die ausschließliche Nutzung in Bereichen, die nicht den menschlichen Körper betreffen. Auch die Vorschrift, dass für die Regenwassernutzung im Haus ein eigenes Leitungsnetz notwendig ist, wird damit begründet. Dies muss strikt vom Trinkwassernetz getrennt sein und alle Leitungen und Zapfstellen – selbst beim Spülkasten – müssen mit dem Hinweis »Kein Trinkwasser « gekennzeichnet sein.

An der Frage, ob man mit Regenwasser Wäsche waschen soll, scheiden sich die Expertengeister. Das Bundesumweltamt warnt davor, weil Regenwasser beispielsweise durch Vogelkot fäkalkeimbelastet ist und der letzte Spülgang mit kaltem Wasser erfolgt, so dass die volle Keimzahl im Regenwasser auf die Wäsche übergeht. Untersuchungen der Umweltbehörde Hamburg belegten dagegen schon in den neunziger Jahren, dass die Keimbelastung der gewaschenen Wäsche weit unter der der ungewaschenen Wäsche lag. Praxiserfahrungen von Regenwassernutzern bestätigen eher die Unbedenklichkeit.

Man schone die Umwelt, sagen sie, da durch die geringe Härte des Regenwassers weniger Waschpulver benötigt würde und Weichspüler ganz weggelassen werden kann. So verwundert es nicht, dass beispielsweise der Waschmaschinenhersteller Miele eine „Allwater-Waschmaschine“ anbietet, die zwei Wasserzuläufe hat, so kann mit Regenwasser gewaschen werden, aber mit Trinkwasser erfolgt der letzte Spülgang. Letztendlich haben Gegner und Befürworter gute Argumente und jeder muss für sich selbst entscheiden, ob die Waschmaschine mit angeschlossen wird oder nicht. Quer schießen höchstens einige Wasserentsorger, die kaum Interesse an der Nutzung von Regenwasser haben, denn schließlich schmälert eine steigende Zahl von Zisternen zunächst mal deren Einnahmen.

Was aber nicht ganz von der Hand zu weisen ist, sind relativ hohe Investitionskosten, die im Schnitt bei etwa 2500 und 6000 Euro liegen und in vielen Regionen Deutschlands gegen vergleichsweise geringe Wasser- und Abwasserkosten stehen. So ergeben Modellrechnungen der Verbraucherzentralen rund 20 bis 25 Jahre, bis sich die Investition amortisiert hat. Die effektiven, jährlichen Betriebskosten fürs Haus werden aber sinken, und wer für die Anschaffung beispielsweise einen Bausparvertrag einsetzt, finanziert mit geringen monatlichen Kosten, die im Idealfall die Einsparung nicht übertreffen.
 

Kann man Sammeltank und Hauswasserwerk selbst installieren?

Wer sich für ein Komplettpaket eines Herstellers bestehend aus Kunststofftank, Tauchpumpe (Gartennutzung) oder Hauswasserautomat (Hausnutzung), Schmutzfilter, Ansaugset und Tankdeckel kauft, kann seine Regenwasseranlage weitgehend selbst installieren.

Bevor man aber kauft, sollte man sich beim Bauamt und im Falle der Nutzung im Haus auch beim Gesundheitsamt erkundigen, ob es Einschränkungen gibt und ob Genehmigungen erforderlich sind. In der Regel ist dies aber nicht der Fall, solange alle Vorschriften eingehalten werden. Beim Wasserversorger lohnt sich die Nachfrage nach einer eventuellen Förderung oder Gebührenabsenkung. Und machen Sie sich klar, dass man schon für einen 3000-Liter-Tank eine Grube mit 2m Tiefe, 2,5m Breite und 3,5 m Länge ausheben muss. Das sind schon über 17 cbm Erdbewegung zuzüglich des Bodens der für eine vorschriftsmäßige Böschung ausgehoben werden muss. Hier ist die Miete für einen Minibagger oder professionelle Hilfe unausweichlich. Außerdem hilft großes Baugerät beim Absenken des Tanks in die Grube.

Wir haben einen 7-cbm-Tank (Atlantis, Nautilus Wassermanagement) vergraben und per Hauswasserautomat mit Waschmaschine und WC-Spülkästen verbunden. Bevor der Anschluss im Haus aber erfolgt, muss man per Kernbohrung ein KG-Rohr in den Keller legen. Hier wird der Saugschlauch und gegebenenfalls das Kabel für den Wasserstandsanzeiger durchgeführt. Im Keller schließt das KG-Rohr bündig mit der Wand ab, und eine sogenannte Mauerdurchführung wird eingesetzt. Das sind zwei mehrfach durchbohrte Edelstahlscheiben mit einem Vollgummikörper dazwischen, zusammengehalten von Schrauben.

Durch die Bohrungen werden Kabel und Schlauch geführt. Das Ganze wird in die Kernbohrung oder ins KG-Rohr eingesetzt, die Schrauben werden fest angezogen, so dass der Gummikörper zusammengedrückt wird. Dadurch werden die Leitungen fest umschlossen und die Wandöffnung komplett abgedichtet.

Im Tank hängt das Ansaugsieb unter der Schwimmkugel und der Saugschlauch führt ansteigend vom Tank zur Pumpe im Keller. Sie ist mit einem Wasserzwischenspeicher verbunden, der bei leerem Tank die Wasserversorgung für WC-Spülung und Waschmaschine aufrecht erhält. Dies ist übrigens der einzige Punkt, an dem es eine Verbindung zum Trinkwassernetz gibt, denn bei leerem Sammeltank wird hier automatisch Trinkwasser nachgespeist.

Damit es keine Vermischung von Regen- und Trinkwasser geben kann, muss nach DIN 1988 der Zulauf frei, zum Beispiel über einen Einfülltrichter, laufen, damit Rückfließen oder Rückdrücken von Regenwasser ins Trinkwassernetz ausgeschlossen ist.

Hier ist ohnehin der Profi gefragt, um den Anschluss zu legen und meist auch, um die Leitungen zu den Verbrauchsstellen zu installieren. Alle anderen Wasseranschlüsse kann man aber selbst montieren. Den elektrischen Anschluss überlässt man dann aber selbstverständlich wieder dem Profi.
 

Regenwasser für den Garten

Wer sein gesammeltes Regenwasser nur im Garten verwendet, braucht keine aufwendige Haustechnik. Hier reichen eine Tauchpumpe und eine sogenannte Wassersteckdose aus. Die Wassersteckdose wird über ein KG-Rohr an den Tank angeschlossen, durch das der Druckschlauch von der Pumpe führt.

Er endet an einem Schlauchstutzen, idealerweise mit Absperrventil, auf den man eine übliche Schlauchkupplung aufschrauben kann. Die Pumpe sollte auf der Saugseite einen Schlauch mit Ansaugkorb und Schwimmkugel haben, um das Wasser in der sauberen Zone unterhalb der Oberfläche anzusaugen – das schont die Pumpe.

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