Warum Sie Misteln von Obstbäumen entfernen sollten

Misteln sind vor allem als Liebesboten in der Weihnachtszeit bekannt – aber sie sind in Bäumen nicht unproblematisch. Warum Sie die Misteln unbedingt entfernen sollten und wie das geht, erfahren Sie hier.

Misteln entfernen
Misteln sind Baumparasiten – aber was macht sie gefährlich?© Murphy44 – stock.adobe.com

Bekannt ist die Mistel bereits aus der germanischen und keltischen Mythologie, sie galt als heiliger Glücksbringerund war das Zeichen der Götter, weil sie ohne Kontakt zur Erde wachsen und blühen konnte. Vielleicht besagt auch deshalb ein französisch-britischer Brauch, dass sich ein Paar küssen muss, wenn es unter einem Mistelzweig steht? Der Kuss verheißt nämlich eine glückliche, gemeinsame Zukunft.

Gerade an Weihnachten werden die immergrünen Zweige im Wohnzimmer oder über der Eingangstüre aufgehängt. Aber auch in der freien Natur sieht man sie oft als grüne Kugeln hoch oben in den Baumkronen, wenn im Winter das Laub der Wirtspflanzen abgefallen ist. Gerade in Wäldern und auf Streuobstwiesen breiten sich die Misteln rasant aus. Doch was ist das Problem?

Warum gefährden Misteln Obstbäume?

Misteln sind sogenannte Hemiparasiten, also halbschmarotzende Pflanzen, die ihren Wirten mithilfe von Saugwurzeln Wasser und Nährstoffe entziehen, aber dennoch selbst Photosynthese betreiben. Die Vitalität der befallenen Bäume nimmt vor allem bei Mehrfachbefall stark ab, es kommt zu einem Abbrechen der Äste und zum Absterben der ganzen Bäume. Im Volksmund werden sie deswegen nicht umsonst „Würger des Apfelbaumes“ genannt.

Die ersten Anzeichen eines Mistelbefalls zeigen sich vor dem Erscheinen der Mistelblätter meist an den außerhalb der Ansatzstelle befindlichen Triebteilen, welche abzusterben beginnen. Später lässt die Vitalität des ganzen Baumes nach und ganze Äste und Kronenteile sterben ab. Oft ist das letzte Vitale am Obstbaum noch die Mistel.

Auch wenn Apfelbäume am häufigsten betroffen sind, sind es nicht die einzigen Pflanzen, die von Misteln befallen werden können. Zu nennen sind:

  • Eberesche
  • Pappel
  • Weide
  • Haselnuss
  • Birke
  • Robinie
  • Linde
  • Ahorn
  • Weißtanne
  • Kiefer
  • Fichte

Interessant ist, dass Birne, Pflaume und Kirsche kein Problem mit Mistelbefall haben. Birnbäume haben sogar einen Schutzmechanismus gegen Misteln entwickelt: Sobald sich die Saugwurzeln in die Rinde bohren, vertrocknet das Gewebe unter der Baumrinde. Die Misteln können den Ästen kein Wasser mehr entziehen und sterben ab.

Misteln entfernen
Bei starkem Mehrfachbefall wirken Apfelbäume oft immergrün!© JRG – stock.adobe.com

Verbreitung der Misteln

Misteln haben einen gut angepassten Verbreitungsmechanismus entwickelt. Sie blühen von Februar bis April – aus den befruchteten Blüten entstehen im Herbst weiße Beeren, deren Kern von einer zähen Schleimhülle umgeben ist. Im Winter werden diese Beeren gerne von Vögeln gefressen: Die Misteldrossel ist sogar nach ihrer Lieblingsspeise benannt!

Misteln entfernen
Die Misteldrossel liebt es, die weißen Scheinbeeren der Mistel zu naschen.© Bernd Wolter – stock.adobe.com

Um das klebrige Fruchtfleisch der Beeren von den Schnäbeln zu entfernen, putzen die Vögel immer wieder ihre Schnäbel an den Ästen ab. So werden die Samen der Misteln in der Baumkrone verteilt. Wenn die Vögel einen Samen verschlucken, werden diese durch die unverdauliche Schale mit dem Kot wieder ausgeschieden. Landet der Kot auf einem Ast, beginnt der darin enthaltene Mistelsamen zu keimen und Haftwurzeln auszubilden. Anschließend treibt der Keimling einen Senker in die Leitungsbahnen des Astes, in denen er sich in der Folgezeit in deren Längsrichtung ausbreitet.

Von bestehenden Misteln, die sich zunächst in der Oberkrone des Baumes befinden, kann sich die Mistel auch dadurch in der Baumkrone ausbreiten, dass herabfallende Beeren mit ihrer klebrigen Hülle auf tieferliegenden Ästen kleben bleiben können.

Lange Zeit stellten Misteln kein Problem für Wälder und Streuobstwiesen dar. Diese Ökosysteme werden aber seit den 1950er-Jahren zunehmend weniger gepflegt. Durch den ausbleibenden Schnitt und die nicht mehr erfolgende Beseitigung der Mistel aus den Obstbäumen konnte sie sich in den letzten Jahren nahezu explosionsartig vermehren.

So schneiden Sie Obstbäume richtig!

Viele Bäume, die durch Dürresommer und Parasitenbefall bereits gestresst sind, kommen mit der Flut an Misteln nicht mehr zurecht und leiden stark unter dem Befall.

Misteln entfernen
Die weißen Beeren haben ein klebriges Fruchtfleisch – ein idealer Verbreitungsmechanismus.© gabort – stock.adobe.com

Wie können Sie die Ausbreitung der Misteln verringern?

Um die explosionsartige Ausbreitung der Misteln zu stoppen, reichen einfache Baumpflegemaßnahmen. Ziel sollte es allerdings nicht sein, die Mistel vollständig auszurotten. Sie ist trotz ihrer halbschmarotzenden Lebensweise eine wertvolle Pflanze, die zahlreichen Vogelarten und Insekten Nahrung und Unterschlupf bietet. Im Garten, bei Bäumen mit Verkehrssicherungspflicht oder auf Streuobstwiesen ist es dennoch sinnvoll, die Misteln zu entfernen.

Misteln werden Heilkräfte nachgesagt!
Und das nicht nur bei den Comic-Helden Asterix und Obelix, die von ihrem Druiden einen mistelhaltigen Zaubertrank verabreicht bekommen, bevor sie in die Schlacht ziehen. Die Blattextrakte der Misteln werden in der Humanmedizin zur Blutdrucksenkung, bei Arteriosklerose und in der Krebstherapie angewandt.

Bei der Bekämpfung der Misteln ist es zunächst wichtig, die Bäume regelmäßig zu kontrollieren und die Mistel bereits im leicht zu übersehenden Keimlingsstadium zu entfernen. In den ersten zwei bis drei Jahren lässt sich die Mistelpflanze noch komplett aus der Rinde des Astes entfernen. Danach hat sie ihre Saugwurzeln bis in die Leitungsbahnen des Wirtsbaumes ausgebreitet. Diese reichen mit zunehmendem Alter bis zu einem halben Meter weit.

Misteln entfernen
Misteln erkennen Sie an immergrünen, runden Kugeln in der Baumspitze.© unicusx – stock.adobe.com

Misteln richtig aus Obstbäumen entfernen

Beim Misteln Entfernen gibt es nun zwei Möglichkeiten, die dem Baum möglichst wenig Schaden zufügen.

Ist der Baum im Außenbereich befallen, sollten Sie die Äste mit Misteln vollständig entfernen. Der Spätwinter und das Frühjahr sind dafür geeignete Zeitpunkte, weil sich die Bäume dann in der Ruhephase befinden.

Schützen Sie Ihren Garten im Frühjahr vor Spätfrost!

So gehen Sie vor:

  • Suchen Sie die Ansatzstelle der Mistel auf dem Ast und markieren Sie sich die Schnittstelle, die etwa 50 cm entfernt im noch gesunden Holz liegen soll.
  • Reißen Sie die Misteln nicht einfach herunter, so entstehen Schäden am gesunden Holz.
  • Sägen Sie den Ast gerade ab!
  • Kontrollieren Sie die Schnittstelle, ob sie alle Saugwurzeln der Misteln entfernt haben. Ist dies nicht der Fall, müssen Sie den Ast weiter kürzen.
  • Optional können Sie die Schnittstelle nun mit einem Baumpflegemittel auf Harzbasis behandeln, damit keine anderen Schädlinge ins Holz eindringen können.
  • Immerhin: Fällen muss man einen Obstbaum nur selten.
Misteln entfernen
Misteln lassen sich nicht immer vollständig entfernen.© HeiSpa – stock.adobe.com

Das sind die 3 größten Fehler beim Schneiden von Bäumen und Sträuchern!

Wächst die Mistel nicht im äußeren Bereich der Baumkrone, sondern weiter innen, fügen Sie dem Baum beim Kürzen der befallenen Äste großen Schaden zu. Dies ist auch der Fall, wenn viele Äste des Obstbaums von Misteln befallen sind. Hier können Sie die Misteln entfernen, indem Sie den Strauch an der Astoberfläche kurz oberhalb der Baumrinde flach abschneiden. Die Saugwurzeln der Misteln verbleiben im Ast. Damit wird man den Parasitenbefall zwar nicht los, aber die Maßnahme hilft dem Baum, besser mit dem Mistelbefall klarzukommen.

Die Mistel wächst in diesem Fall zwar weiter, braucht aber ein bisschen, um sich zu erholen. Sind die grünen Triebe einmal entfernt, dauert es nämlich ungefähr vier Jahre, bis die Mistel wieder so weit gewachsen ist, dass sie Früchte trägt und sich weiterverbreiten kann. Die etwaigen Neuaustriebe der Misteln entfernen Sie ebenfalls konsequent – so ist eine weitere Verbreitung der Mistel unterbunden.

Misteln stehen übrigens nicht unter Naturschutz. Natürlich dürfen Sie nicht einfach so auf fremden Grundstücken die Misteln entfernen - Der Besitzer muss vorher informiert werden und aktiv seine Zustimmung geben, weil die Misteln als Eigentum zählen. Für das gewerbsmäßige Sammeln braucht man, wie bei allen wilden Pflanzen, eine Genehmigung der für Naturschutz und Landschaftspflege zuständigen Behörde.

Das Entfernen der Misteln hat letztendlich nicht nur Vorteile für Ihre Obstbäume – Sie holen sich auch eigene Weihnachtsdekoration aus dem Garten ins Haus! Für mehr Ideen zu Weihnachten, Weihnachtsbäumen und Dekorationen, klicken Sie hier.

Zum Weiterlesen: Obstbäume schneiden – das ist besonders wichtig!

Auch interessant:Diese 9 Life-Hacks kennen nur clevere Gärtner!

Die neue Ausgabe ist da: selber machen - Jetzt am Kiosk!
U1 10_2021