Hornissen: Friedlicher als ihr Ruf

Sie haben Hornissen oder gar ein Hornissennest im Garten? Wir verraten Ihnen, wie gefährlich Hornissen wirklich sind, ob sie eventuell sogar einen Nutzen für Ihren Garten haben können und wie Sie sie im Ernstfall friedlich vertreiben.

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Gefahr durch Hornissen: Mythos oder Wahrheit?© Herr Loeffler – stock.adobe.com

Im Volksmund heißt es: „Drei Hornissenstiche töten einen Menschen, sieben ein Pferd.“ Daher werden Hornissen oft für lebensgefährliche Insekten gehalten. Ihre Größe von bis zu vier Zentimetern verstärkt diese Gedanken natürlich noch. Eigentlich ist aber genau das Gegenteil der Fall. Die Insekten verhalten sich dem Menschen gegenüber absolut scheu, passiv und meiden seine Nähe. Die friedliebenden Tiere sind harmlos und deutlich weniger aggressiv als zum Beispiel Wespen.

Der Stich einer Hornisse wird trotzdem von den meisten Betroffenen als schmerzhafter wahrgenommen, was aber nicht an einer größeren Giftmenge liegt - Hornissen haben sogar weniger Gift als Honigbienen. Dafür haben sie einen größeren Stachel (bis zu 6 mm), der auch in die tiefer liegenden Hautschichten eindringen kann. Dabei werden mehr Schmerzrezeptoren aktiviert.

Trotz des größeren Stachels ist ein Hornissenstich nicht gefährlicher oder bedrohlicher für unsere Gesundheit als der Stich anderer Insekten. Ausnahmen bilden natürlich Stiche von Hornissen in den Mund- und Rachenraum, bei denen unmittelbare Erstickungsgefahr droht. Gleiches gilt, wenn ein Allergiker oder ein kleines Kind von einer Hornisse gestochen wird. In diesen Fällen muss umgehend der Notarzt alarmiert werden.

Da Hornissen im Gegensatz zu Bienen keinen Widerhaken am Stachel haben, bleibt dieser nicht in der Haut stecken. Somit kann eine Hornisse grundsätzlich mehrfach stechen, da sie anschließend weiterleben und nicht sterben müssen.

Lebensweise von Hornissen

Die Königin des Hornissenvolks ist die einzige Überlebende aus dem Vorjahr und hat an einem geschützten Ort überwintert. Sie sucht ab Mai bei steigenden Temperaturen einen geeigneten Platz, um ein neues Volk zu gründen. Normalerweise sind dies leere Baumhöhlen – davon gibt es aber wegen der zunehmenden Urbanisierung immer weniger. Daher zieht es die Königin in Gärten und auch in Hausnähe.

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Nester werden immer häufiger in Hausnähe gebaut.© ChrWeiss – stock.adobe.com

Sie selbst baut nur ein paar Waben und überlässt den eigentlichen Nestbau den daraus schlüpfenden Arbeiterinnen. Mit den ersten Nachtfrösten im Herbst stirbt das Hornissenvolk von selbst und nur die neuen Jungköniginnen überwintern.

Außerhalb vom Nestbereich sind Hornissen friedlich und vermeiden generell jegliche Auseinandersetzung. Das bedeutet: Sie fliehen lieber als zuzustechen und greifen im Gegensatz zu Wespen nie grundlos an. Nur wenn eine Hornisse gequetscht oder festgehalten wird, ist sie auch bereit ihren Stachel einzusetzen!

In der Hochphase, die etwa von Mitte August bis Mitte September dauert, lässt sich ein Zusammentreffen zwischen Menschen und Hornissen im Garten nicht vollständig vermeiden. Daher haben wir im Folgenden ein paar Verhaltensregeln und Tipps zum sicheren Umgang im Garten zusammengefasst und Ihnen einen Überblick über Methoden gegeben, wie Sie Hornissen friedlich vertreiben können.

Hornissen im Garten: Verhaltensregeln

Haben Sie einzelne Hornissen im Garten entdeckt, so ist dies zunächst kein Grund zur Panik. Signalisieren Sie den Insekten, dass Sie keine Gefahr darstellen und ebenfalls nicht angreifen möchten.

Beachten Sie dazu folgende Verhaltensregeln:

  • Vermeiden Sie schnelle und ruckartige Bewegungen
  • Blockieren Sie die Flugbahn der Hornissen nicht
  • Erzeugen Sie keine Erschütterungen oder laute Geräusche
  • Pusten Sie die Hornissen nicht direkt an (gilt auch für direktes starkes anatmen)
  • Ziehen Sie sich im Ernstfall lieber langsam zurück

Die in Deutschland einheimische Hornisse ist akut in ihrem Bestand gefährdet. Sie gehört zu den besonders geschützten Arten und darf nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Im Fall von einzelnen Insekten kommt auch niemand auf die Idee, ihnen etwas anzutun – was ist aber, wenn Sie ein ganzes Hornissennest im Garten haben?

Hornissennest im Garten: Was tun?

Haben Sie nicht nur einzelne Hornissen in Ihrem Garten entdeckt, sondern ein ganzes Hornissennest, so sollten Sie ebenfalls Ruhe bewahren. Eigentlich könnten Sie sich darüber freuen! Obwohl Hornissen keinen guten Ruf haben, sind sie doch äußerst nützlich für Ihren Garten. Die Insekten sind natürliche Schädlingsbekämpfer:

Hornissenlarven werden ausschließlich mit Insekten und Gliederfüßern ernährt. Darunter fallen auch viele unbeliebte Schädlinge. Auf ihrem Speisezettel stehen zum Beispiel die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe, die deutlich lästiger als Hornissen werden können, da sie sich gerne an unserer Kuchentafel laben. Ein großes Hornissenvolk frisst täglich bis zu 500 Gramm Insekten, so viel schaffen nicht mal vier Meisen-Familien.

So bauen Sie eine Wespenfalle ganz einfach selber!

Wer ein bewohntes Hornissennest im Garten oder am Haus hat, wird auf seiner Terrasse nicht so stark von Stechmücken und Wespen belästigt. Die Zahl der Pflanzenschädlinge im Garten dezimiert sich auch deutlich.

Erwachsene Hornissen sind hingegen strenge Vegetarier: Sie ernähren sich von Fallobst, Baumsaft und selten auch von Blumennektar.
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Erwachsene Hornissen fressen am liebsten Obst.© Dorothy Knight – stock.adobe.com

Also: An einem abgelegenen Ort im Garten stört das Nest nicht. Machen Sie in Hausnähe einen Rundumcheck und fragen Sie sich Folgendes, bevor Sie ans Vertreiben der Insekten denken:

  • Können Sie bis zum Herbst abwarten, bis die Hornissen ohnehin sterben? Leere Nester kann man gefahrlos entfernen oder einfach so stehen lassen. Die Hornissen kommen im nächsten Jahr nicht mehr an denselben Platz zurück.
  • Ist es möglich, einen drei bis vier Meter großen Bereich um das Nest herum zu meiden und zu markieren? Es reichen schon ein ausgelegter Schlauch oder irgendwelche Latten, die Sie an den Abstand erinnern.
  • Lässt sich das Nest „entschärfen“? Zum Beispiel helfen Absicherungen wie Fliegendraht an Fenstern oder Sichtblenden in Nestnähe, um das Haus beziehungsweise das Nest selbst an belebten Orten zu schützen.
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An einem abgelegenen Ort stört das Hornissennest normalerweise nicht.© SmitMax – stock.adobe.com

Muss das Nest trotz dieser Überlegungen wegen einer akuten Gefahr für Kinder oder Allergiker oder auch wegen dringend notwendiger Bauarbeiten weg, dürfen Sie es dennoch nicht einfach so entfernen!

Hornissennest im Garten richtig entfernen

Wie bereits erwähnt: die Hornisse gehört zu den geschützten Arten. Deswegen ist das Zerstören von Hornissennestern verboten und kann ein Strafverfahren zur Folge haben! Auch das Einsprühen mit Insektenspray oder Essig, sowie das Ausräuchern des Hornissennests ist nicht erlaubt. Sollte man gegen diese Vorschriften verstoßen, können je nach Bundesland sogar Bußgelder bis zu 50.000 Euro verhängt werden.

Anstatt das Nest zu zerstören, werden die Hornissen samt Nest von einem Fachmann umgesiedelt. Melden Sie das Nest dazu zunächst der Naturschutzbehörde und lassen Sie sich eine Genehmigung ausstellen. Damit können Sie für etwa 100 bis 200 Euro einen Experten zum Umsiedeln und in Ausnahmefällen auch zum Töten der Tiere beauftragen. Das ist die einzige Möglichkeit, ein Hornissennest im Garten loszuwerden.

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Nester müssen von einem Fachmann entfernt werden.© Jan Schuler – stock.adobe.com
Achtung: Wichtig ist, dass das Volk in ausreichender Entfernung zum alten Standort neu angesiedelt wird. Denn Hornissen finden über eine Distanz von mehreren Kilometern zu ihrem alten Brutplatz zurück.

Hätten Sie's gewusst? Der richtige Umgang mit Wespennestern!

Hornissen im Garten friedlich vertreiben

Möchten Sie das Nest in Ihrem Garten belassen und die Hornissen nur von einzelnen Orten vertreiben und fernhalten? Dann finden Sie hier wirksame Tipps, die den Tieren nicht schaden.

  • Hornissen mit Wasser vertreiben: Hornissen kann man gut mit Wasser vom Kaffeetisch vertreiben, indem man sie damit besprüht. Die Tiere denken, dass es regnet, und fliegen zum Nest zurück.
  • Hornissen mit reifen Weintrauben weglocken: Mit in einiger Entfernung aufgestellten leckeren Früchten wie reifen Weintrauben lassen sich Hornissen zwar nicht vertreiben, aber von Sitzplätzen weglocken, wo sie nicht hinsollen. Gleichzeitig gilt: Lassen Sie kein Fallobst im Garten liegen, das Hornissen zu ungewünschten Orten zieht.
Während Wespen von Fleisch, süßen Speisen und Getränken angelockt werden und dadurch durchaus lästig sein können, sind Hornissen für solche Leckereien nicht zu begeistern.
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Zuckerwasser ist bei Hornissen auch sehr beliebt.© schulzie – stock.adobe.com
  • Nestbau von Hornissen vorbeugen: Machen Sie im Herbst oder Winter eine Runde ums Haus und verschließen Sie Löcher und Ritzen vor möglichen Hohlräumen. Meist wird man allerdings erst darauf aufmerksam, wenn man eine Hornissenkönigin im Frühjahr ein- und ausfliegen sieht. Um diese nicht zu töten, verstopfen Sie den Hohlraum erst, wenn die Königin auch sicher draußen ist. Sie wird sich woanders einen Platz suchen.

Hornissen im Garten dauerhaft vorbeugen

Eine weit verbreitete Variante zum friedlichen Vertreiben von Hornissen sind Gerüche: So gern sie gut duftenden Lebensmitteln folgen, so sehr vertreiben unangenehm empfundene Gerüche sogar ein gesamtes Volk. Mit den passenden Duftnoten können Sie ganze Terrassen vor den Insekten schützen und von dem Einfliegen in den Wohnbereich abhalten!

Zu den idealen Düften gegen Hornissen haben sich erwiesen:

  • Duft aus aufgeschnittenen Zitronen
  • Nelkenöl
  • Zerstoßene Gewürznelken
  • Geruch von angezündetem Kaffeepulver
  • Aufgeschnittener Knoblauch
  • Räucherstäbchen
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Kaffee hilft nicht nur gegen Wespen und Mücken!© Ralf Geithe – stock.adobe.com

Wollen Sie die Hornissen dauerhaft aus dem Garten fernhalten, so können Sie neben den oben genannten Düften auch auf bestimmte Pflanzen zurückgreifen.

Einige Pflanzen verfügen über Duftnoten, welche Hornissen nicht mögen. Bei diesem Trick ist es ratsam, die Pflanzen und Pflanzkübel intelligent zu positionieren, sodass sie Flugbahnen unterbrechen, vor dem Einfliegen in den Wohnraum schützen und nahe an Aufenthaltsplätzen wie Terrasse oder Sandkasten stehen.

Der Vorteil ist, dass es sich meist um Pflanzen handelt, die von Menschen als sehr angenehm empfunden werden und deshalb ohne weiteres in direkter Umgebung gepflanzt/kultiviert werden können.

Mit folgen Pflanzen schlagen Sie jede Hornisse in die Flucht:

  • Basilikum
  • Lavendel
  • Minze
  • Tomaten
  • Weihrauch
  • Zitronenmelisse
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Viele typische Gartenkräuter schrecken Hornissen ab.© Melima – stock.adobe.com

Haben Sie diese Pflanzen strategisch günstig gepflanzt, können Sie das Hornissennest im Garten belassen und werden von den Insekten nicht weiter gestört – gleichzeitig können Sie von den Vorteilen der Hornissen ungehindert profitieren.

Sie sehen also, Hornissen sind durchaus weniger gefährlich, als ihr Ruf es erwarten lässt. Kennen Sie bereits unseren Artikel über die Aufklärung der Mythen über Ohrenkneifer?

Zum Weiterlesen:Speckkäfer mit Hausmitteln bekämpfen

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